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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

Boostedt : „Die Arbeit wird nicht weniger, sondern intensiver“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Erstaufnahmestelle sind zurzeit 280 Flüchtlinge. Ausreiseeinrichtung ist noch in Planung

Boostedt | Zurzeit sind in der Erstaufnahmestelle in Boostedt nur rund 280 Flüchtlinge untergebracht. Doch die Arbeit für die Mitarbeiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten und des DRK-Betreuungsvereins wird deshalb nicht weniger. Durch die landesweite Reduzierung der Unterkünfte auf die Ankunftszentren am Haart in Neumünster und in Glückstadt sowie den Außenstellen in Boostedt und Rendsburg steigt die Zahl der Bewohner wieder langsam an.

„Es ist kein Vergleich zu dem, was wir hier im vergangenen Sommer erlebt haben. Aber wir haben immer noch bis zum Abwinken zu tun. Doch Mitte des Monats soll zumindest der Berg der Antragsangelegenheiten aufgearbeitet sein“, erklärte Holger König als Sachgebietsleiter der Verfahrensbegleitung und Objektleiter des Landesamtes in Boostedt. Im Herbst 2015 waren etwa 2000 Flüchtlinge in Boostedt untergebracht.

Der Plan der Landesregierung, die Maßnahmen zur Rückkehr von Flüchtlingen in Boostedt zu bündeln (der Courier berichtete), wurde allerdings bisher nicht umgesetzt. „Die Ausreiseeinrichtung ist immer noch in Planung. Doch bearbeitet werden die Vorgänge zur Abschiebung und die Anträge auf freiwillige Rückkehr auf jeden Fall in Boostedt, da das zentrale Rückkehrmanagement des Landesamtes (Dezernat III) hier angesiedelt ist. Aber das ist nicht neu. Und dazu müssen die Menschen auch nicht vor Ort sein“, erläuterte König. Dennoch gebe es natürlich auch in Boostedt Bewohner mit schlechten Aussichten auf ein Bleiberecht. Doch bemerkbar mache sich dieses in Bezug auf die Stimmungslage in der Einrichtung nicht. „Natürlich gibt es immer wieder einmal Konflikte. Doch diese sind auf andere Auslöser zurückzuführen“, führte er weiter aus.

Ebenfalls weiterhin ausgelastet sind die rund 50 Mitarbeiter des DRK-Bereuungsvereins. „Die Arbeit wird nicht weniger, sondern intensiver. Es gibt gerade unter den Kindern viele, die durch Gewalterfahrungen in ihrem Verhalten auffällig werden. Doch wir versuchen letztlich, allen Bewohnern so viel wie möglich an Hilfe und Unterstützung mitzugeben. Dies gilt für die Rückkehrer ebenso wie für die Flüchtlinge, die von hier aus auf die Kreise verteilt werden“, berichtete die DRK-Leiterin Maria von Glischinski.

Seit dem 1. September habe der Verein außerdem die Beschulung der Kinder übernommen. „Der Schulträger hat die Lehrer aus der Einrichtung abgezogen, da bei einer Verweildauer von durchschnittlich zehn Tagen ein regulärer Unterricht nicht sinnvoll ist. Außerdem werden die Kräfte dringend in den Daz-Zentren gebraucht“, führte Maria von Glischinski aus.

Weiterhin mit großem Engagement in Aktion seien die Ehrenamtler, die im Kleiderhaus der Einrichtung arbeiten. Auch das Begegnungscafé der Kirchengemeinde habe weiterhin alle zwei Wochen geöffnet. „Durch die Erlebnisse im vergangenen Jahr sind das mittlerweile eingespielte Teams, auf deren Mitglieder ich mich hundertprozentig verlassen kann“, erklärte die Leiterin. Der Bedarf an Kleidung, Kinderwagen und Männersachen sei jedoch nach wie vor groß. Das Kleiderhaus bereite sich zurzeit auf den Herbst vor. „Deshalb würden wir uns über warme Kleidung, aber auch über wärmende Babykissen besonders freuen“, zählte sie auf.

Zur Infrastruktur auf dem Gelände berichtete Holger König, dass die Polizeistation sowie auch der Wachdienst weiter vor Ort seien. „Lediglich der Caterer hat sein Personal reduziert, da wir zurzeit nur eine Kantine betreiben“, erklärte er.  


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