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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 18:42 Uhr

Amtsgericht : Deutlich weniger Firmen gehen pleite

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

25 Prozent weniger Insolvenzverfahren eröffnet

Neumünster | Ein Spiegelbild der derzeit guten Konjunktur sind die deutlich rückläufigen Firmeninsolvenzen. So wurden beim Amtsgericht Neumünster im ersten Halbjahr 97 Insolvenzverfahren für Unternehmen neu eröffnet. Das ist ein Rückgang um satte 25 Prozent, denn im gleichen Zeitraum 2015 mussten noch 128 Firmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten.

Auch bei den Verbraucherinsolvenzen gingen die Zahlen zurück, allerdings nicht so deutlich. 192 Männer und 150 Frauen wählten diesen Weg, um von ihren Schulden freizukommen. Im ersten Halbjahr 2015 waren es statt 342 noch 367 Männer und Frauen – immerhin auch das ein Rückgang um knapp 7 Prozent. Die Zahlen stammen vom Fachmagazin Indat-Report und werden von Amtsgerichtsdirektor Andreas Martins in der Größenordnung und Tendenz bestätigt.

Beim Unternehmensverband Mittelholstein (UVM), der gerade erst die sehr guten Ergebnisse seiner Sommer-Umfrage vorgestellt hat, ist Geschäftsführerin Bianka Lohmann deshalb auch nicht überrascht. „Die konjunkturelle Lage ist gut. Bei unseren Mitgliedsunternehmen gab es zuletzt im Jahr 2014 eine Insolvenz, seitdem nicht mehr“, sagte Bianka Lohmann. Der Verband vertritt in Neumünster rund 220 Unternehmen.

Den Trend rückläufiger Firmeninsolvenzen kann auch Sven Torben Hanisch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform bestätigen. Der Amtsgerichtsbezirk Neumünster steht dabei deutlich besser da als der Bundesdurchschnitt. „Bei den Unternehmens-Insolvenzanträgen ging es bundesweit im ersten Halbjahr um 6,8 Prozent auf 10 750 Fälle zurück“, sagte Hanisch. Das seien die geringsten Zahlen seit dem Bankencrash von 2008.

Als Grund nannte Hanisch die sehr gute Wirtschaftslage: „Die Auftragsbücher sind voll, das Handwerk kann gar nicht alle Aufträge annehmen.“ Das gute Umfeld für Finanzierungen mit den niedrigen Zinsen helfe auch, und außerdem würden weniger Firmen neu gegründet.

Junge Unternehmen sind eher von einer Pleite bedroht als etablierte. Für die zurückgehenden Verbraucherinsolvenzverfahren nennt Hanisch als Hauptursachen steigende Beschäftigungszahlen und Einkommenssteigerungen.

Bei der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Altholstein kann Sibylle Schwenk den Trend für Neumünster allerdings „so nicht bestätigen“. Man arbeite die Warteliste ab. Allerdings habe sich die Wartezeit verkürzt, da sich im zweiten Halbjahr 2015 deutlich weniger Klienten als in den Vorjahren zur Insolvenzberatung angemeldet hatten.

„In diesem Jahr sind wir mit den Anmeldungen aber wieder auf einem hohen Niveau“, sagte Sibylle Schwenk. Nach 159, 160 und 179 Anmeldungen in den ersten sechs Monaten der Jahre 2013 bis 2015 sind es im ersten Halbjahr 2016 jetzt immerhin 172. Die Zahl der beantragten Verbraucherinsolvenzen stieg in den gleichen Zeiträumen sogar von 56 über 70 und 88 auf zurzeit 93 Fälle.

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erstellt am 20.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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