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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 01:07 Uhr

Wittorferfeld : Deponieabdeckung kostet 30 Millionen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadtwerke appellieren an die Politik, die bis 2025 vorgesehene endgültige Versiegelung wegen der dort lagernden Rohstoffe zu überdenken.

Neumünster | Unzählige Badewannen, Holz, Kunststoffe und organischer Abfall: Unter den 2,5 Millionen Tonnen Abfall auf der Ende Mai 2005 geschlossenen Mülldeponie in Wittorferfeld lagern noch kubikmeterweise verwertbare Rohstoffe. Und trotzdem sind die Stadtwerke als Betreiber gesetzlich verpflichtet, die Deponie so zu schließen, dass nichts mehr rein und raus gelangt. „Möglichst auf Ewigkeit“, sagt Dr. Norbert Bruhn-Lobin. Der Geschäftsführer der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) appelliert an die Bundespolitik, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken.

30 Millionen Euro kostet die endgültige Versiegelung, die bisher ab 2023 vorgesehen ist und etwa 2025 beendet sein soll. Mit einer Kunststoffdichtungsbahn, einer Schicht Mergel und zwei Metern Muttererde soll der derzeit noch rund 60 Meter hohe Müllberg in Wittorferfeld, auf dem von 1991 bis 2005 unbelasteter Haus- und Sperrmüll sowie Schlacken und Schlämme abgelagert wurden, verschlossen werden. Allein das kostet 15 Millionen Euro. „Das Geld ist weg für eine Maßnahme, die nur vordergründig umweltfreundlich erscheint“, sagt Bruhn-Lobin, der vom „Hügelgrab der Wegwerfgesellschaft“ spricht. Denn: Würden die Rohstoffe irgendwann einmal knapp werden, könnte man nur mit großem Aufwand wieder an die Deponie kommen und das Material entnehmen. „Die Versiegelung ist ein Konzept aus den 80er-Jahren. Heute sind wir aber eigentlich schon weiter und auch viel schlauer“, sagt er.

Rund 400  000 Euro geben die Stadtwerke jährlich für die Überwachung, Gutachten und das Klären des Sickerwassers aus. Im Gegenzug gibt es Einnahmen durch das Vermarkten von derzeit noch 1,5 Millionen Kilowatt-Stunden Strom aus dem Deponiegas. Doch das wird stetig weniger. Um bis zu 25 Zentimeter pro Jahr sackt der gut 14 Hektar umfassende Berg pro Jahr, auch durch die schweren Schlacken obenauf. „Das ist auch der Grund, warum wir jetzt noch nicht mit der Versiegelung anfangen wollen und können. Denn dem dadurch entstehenden Druck würde die Folie an den Schweißnähten vermutlich nicht standhalten. Es soll laut gesetzlicher Vorgaben aber auf Ewigkeit hin kein Wasser mehr ein- und austreten“, sagt Bruhn-Lobin.

Für ihn steht fest, dass eine Öffnung und das Verarbeiten der Rohstoffe im Müll eine Option ist, über die ernsthaft nachgedacht werden sollte. So würde sich der Müllberg deutlich verkleinern. Bruhn-Lobin: „Solange hier professionell auf diesem Gebiet Müll verarbeitet wird, bestehen überhaupt keine Umwelt- oder Sicherheitsbedenken.“ Das sollten Lokal- und Landespolitiker auch an ihre Vertreter in Berlin weitergeben, sagt er.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 08:15 Uhr

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