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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 17:14 Uhr

Jahresbericht : Das Landeslabor macht einen Technik-Sprung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landesregierung stellt 3,3 Millionen Euro zur Verfügung / Antibiotika-Einsatz bei Masttieren sinkt landesweit

Neumünster | Viele Geräte im Landeslabor haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber die zentrale Analyse-Einrichtung an der Max-Eyth-Straße macht jetzt einen Technik-Sprung: „Wir sind dabei, den Investitionsstau abzubauen“, verkündete gestern die Labordirektorin Katrin Lütjen erfreut, als sie den Jahresbericht vorstellte. Das bedeutet: Das Land gab 2015 bereits einen Zuschuss von 1,8 Millionen Euro, und 2016/2017 kommen weitere 1,5 Millionen Euro hinzu. Investiert wird nach einem Laborneubau 2015 jetzt in hochmoderne Analysegeräte.

Es handelt sich vor allem um sogenannte Massenspektrometer, die auf Basis der Gas- oder Flüssigchromatographie deutlich empfindlicher als ihre Vorgänger messen, zum Beispiel Pflanzenschutzmittel in Wasserproben bis auf 0,1 Nanogramm pro Liter erkennen. „Das ist, als ob man ein Stück Würfelzucker im Einfelder See misst“, sagte Udo Diedering, chemisch-technischer Assistent aus der Abteilung Umweltuntersuchung. Diese moderne Technik sei angesichts der steigenden Zahl von Stoffen, Grenzwerten und Normen heutzutage nötig.

Die neuen Geräte können Proben aber auch schneller prüfen und damit höhere Kapazitäten verarbeiten. „Wenn zum Beispiel eine Tierseuche in Europa gemeldet wird, dann glühen hier in Neumünster die Drähte, wenn gefragt wird, ob es die auch in Schleswig-Holstein gibt“, sagte Umweltminister Robert Habeck, der als oberster Dienstherr der Landeslabors gestern die Bilanz mitvorstellte und sich die Neuheiten zeigen ließ.

Die 204 Mitarbeiter des Landeslabors untersuchen beispielsweise Lebensmittel und Bedarfsgegenstände auf Zusammensetzung, Kontamination, Verunreinigungen – 2015 waren es mehr als 10  000 Proben. Weitere zentrale Aufgaben sind die Diagnose von Tierseuchen wie Rauschbrand (zwei Fälle), Rindersalmonellose (18 Fälle) und Bienen-Faulbrut (50 Fälle). 252 Proben auf Geflügelpest, 3678 Proben auf Blauzungenkrankheit und 44 Proben auf Tollwut erwiesen sich allesamt als negativ. Im Umweltmonitoring erhebt das Labor umfangreiche Daten über Gewässer, Böden und Verunreinigung mit Pflanzenschutzmitteln.

Wenn Beanstandungen zunehmen, bedeutet das nicht automatisch Pfusch. Das aktuelle Beispiel: Bei Fruchtsäften, alkoholfreien Getränken, Konfitüren, Bieren und bierähnlichen Getränken gab es im Vergleich zu den Vorjahren 2015 erheblich mehr Beanstandungen. Das liegt aber nicht an falschen Stoffen in den Getränken, sondern an einer neuen EU-Verordnung. Sie legt (strengere) Regeln für das Auflisten bestimmter Inhaltsstoffe fest, aber auch für die Produkt-Bezeichnung und die Werbung. „Viele kleinere Hersteller haben Probleme bei der Umsetzung. Es fehlte die Herkunft oder beispielsweise bei 14 von 58 Proben die Zutat Gerstenmalz bei Bieren auf der Liste“, erläuterte Katrin Lütjen. Dasselbe gelte auch für Sportlernahrung, besonders aus den USA. Diese Erzeugnisse könnten „Zutaten oder Auslobungen“ enthalten, die den Anforderungen der EU-Gesetze nicht genügten, so die Leiterin.

Eine gute Nachricht hatten der Minister und die Direktorin im Gepäck: Der Einsatz von Antibiotika bei Masttieren ist deutlich reduziert worden.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 07:00 Uhr

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