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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 20:54 Uhr

Das Herz ging vor Rührung über

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Etwas für stille Genießer war das zweite Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals in der Klosterkirche. Sopranistin Nuria Rial und Gitarrist Heiko Ossig zelebrierten mit Instrument und Stimme die Magie der leisen Töne und erreichten, wenn auch mit Mühe, sogar die letzten Reihen des mit 400 Besuchern gut gefüllten Hauses.

Wie majestätisch und pathetisch die bisweilen nicht genug gewürdigte Gitarre klingen kann, zeigte Heiko Ossig bereits mit den ersten Tönen von Salvador Castros „Seguidillas et Boleros“, ein sympathischer Einstieg in ein Konzert voller altertümlicher Tanzrhythmen. Plüschige Kostüme und Paare voller steifer Etikette kamen einem da in den Sinn, und wenn die Spanierin Nuria Rial dazu ihre samtweiche Stimme erhob, vergaß so mancher die Gegenwart.

Keiner der beiden Künstler drängte sich dabei in den Vordergrund, perfekt ergänzten sich gehauchte Stimme und gezupfte Töne. Auch mit den beiden Solo-Stücken „La Fandango varie“ von Dionisio Aguado und „Grand Solo op.14“ von Fernando Sor exerzierte Heiko Ossig die hohe Kunst spanischer Gitarrenkultur. Dies tat er so detailverliebt, dass man den Schmiss zum Beispiel eines Flamenco hier erst beim zweiten Hinhören fand.

Der Hauptkomponist des Festivals durfte natürlich auch hier nicht fehlen, und mit den Liedvertonungen bekannter Dichter kam eine unbekannte Seite des Joseph Haydn zum Vorschein. „Ein kleines Haus“, „Die zu späte Ankunft der Mutter“ und „Eine sehr gewöhnliche Geschichte“ interpretierte Nuria Rial mit viel Inbrunst und Herzenswärme. Romantische Kleinode, die beim nationen- und kulturübergreifenden Event der „Sechs deutschen Lieder“ des spanischen Komponisten Mauro Guiliani noch getoppt wurden. Von Abschied, Ferne und Schicksal handelten die Stücke, und auch wenn man die deutsch singende Nuria Rial bisweilen nur schwer verstehen konnte, drang die existenzielle Botschaft von Frieden und Glück auch in die hintersten Reihen des Kirchenschiffs.

Apropos hinten: Die Entscheidung, nicht auf einem Podest in der Mitte zu spielen, war der einzige unglückliche Umstand an diesem zauberhaften Abend, den die Katalanin Rial mit einer Hommage an die Kultur ihrer Heimat und den Dichter Ferderico Garcia Lorca beendete. Und spätestens beim „Sevillianischem Wiegenlied“ ging das Herz vor Rührung über.

Konzentrierte Stille der gefangenen Zuhörer beherrschte die Szenerie, ehe tosender Applaus die Akteure für ihre sensible Darbietung belohnte.

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