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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 14:47 Uhr

Kasernen-Gelände : Chinesen sind an Boostedt interessiert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tietje-Gruppe und Investoren aus China haben Pläne für das ehemalige Kasernengelände. Der Regionalentwickler spricht von einem „Glücksfall“.

Boostedt | Nach wie vor hat die Tietje-Gruppe aus Itzehoe ein Interesse an dem 120 Hektar großen Gelände der ehemaligen Rantzau-Kaserne in Boostedt. Ein Verteilzentrum und ein Gewerbepark könnten zunächst entstehen. Einstimmig beschlossen am Dienstagabend der Ausschuss für Konversion und Gemeindeentwicklung sowie der Wege-, Werk- und Umweltausschuss, diese Projektidee der Gesellschaft für Konversion und Umwelt (GKU) weiterzuverfolgen. Damit wurde eine wichtige Richtungsentscheidung für die Nutzung des ehemaligen Kasernengeländes getroffen.

Zunächst sollen eine Teilfläche an der Panzerstraße für ein Verteilzentrum eines Logistikunternehmens sowie
ein Gewerbepark für Umweltunternehmen entwickelt werden. Als Investor tritt die Tietje-Gruppe (Itzehoe) gemeinsam mit weiteren Investoren aus China auf. Der Nortorfer Unternehmer Gustav Jürgen Tietje, der seit 30
Jahren Geschäfte mit chinesischen Firmen macht, bemüht sich bereits
seit dem Jahr 2013 um das gesamte Gelände (der Courier berichtete). „Im ersten Schritt könnten so 150 bis 200 Arbeitsplätze entstehen. Doch der Investor braucht eine Entscheidung im ersten Quartal 2017, sonst geht er an einen anderen Standort“, teilte GKU-Regionalentwickler Hartmut Röder mit.

In den nächsten Jahren (geschätzt bis 2022) könnten nach den Ideen des Investors dann auf dem Gelände ein Gewerbepark für Medizintechnik, ein Gewerbehof für regenerative Energien, Wohnbebauung sowie ein sogenannter Deutsch-Chinesischer Campus entstehen. Letzterer vereine in sich laut Konzept sowohl Handel und Technologie als auch Kultur und Gesundheit, führte er aus.

„Vielversprechend ist dieses Angebot vor allen Dingen, weil es sich um eine Investorengruppe handelt. Außerdem konnte der Investor in den vorab geführten Gesprächen für jeden Bereich konkrete Interessenten vorweisen. Das ist ein Glücksfall für Boostedt. Denn an anderen ehemaligen Bundeswehr-Standorten läuft es lange nicht so gut“, meinte Röder.

Einschränkend zum Verkauf an den Investor gab Herrmann-Josef Huber von der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) aus Kiel jedoch zu bedenken, dass die Bima aus rechtlichen Gründen mit dem Gelände auf jeden Fall an den Markt gehen müsse. „Der Investor muss sich einem offenen Bieterverfahren stellen“, erklärte er.

Für diesen Abschnitt empfahlen die Ausschussmitglieder der Gemeindevertretung schließlich, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Das kostet etwa 30 000 Euro.

Von den Boostedter Plänen überzeugt werden müssen im Vorfeld aber auch noch die Landesplanung und außerdem die Stadt Neumünster, die als Oberzentrum ein Einspruchsrecht hat. „Wir müssen vermitteln, dass wir das wollen und dass wir Neumünster damit nichts nehmen, sondern dass wir damit eine sinnvolle Ergänzung zu den gewerblichen Freiflächen der Stadt schaffen“, sagte Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU) dazu.

Ein erstes Zeichen des Willens, die Konversion umzusetzen, soll nun der Beschluss zur Verlegung der Feuerwehr auf das Gelände des ersten Entwicklungsabschnitts innerhalb der Ex-Kaserne setzen (der Courier berichtete). Hierzu hatte die Gemeinde beim Architekten Thomas Rader (Bordesholm) eine Vergleichsstudie mit dem bestehenden Standort am Dorfring in Auftrag gegeben. Nach der wäre ein Umzug in das Gebäude N  1 sowohl aus Kostengründen als auch durch die Vorgaben der Brandunfallversicherung sinnvoll: Der Umzug wurde von Thomas Rader auf 400 000 bis 420 000 Euro (ohne Erschließungskosten) angesetzt. Die Umbaukosten am Dorfring schätzte er auf etwa 960 000 Euro. Ein Ersatzbau an gleicher Stelle würde rund 1,4 Millionen Euro kosten.

Sollten allerdings die Pläne für die Entwicklung der Gewerbefläche
scheitern, wollen die Boostedter Gemeindevertreter auf jeden Fall am
alten Standort in die Feuerwehrwache investieren.  



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