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Holsteinischer Courier

24. März 2017 | 23:08 Uhr

Gescheiterte Spende : Bürokratie verhindert Körperspende

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Werner M. möchte seinen Körper der Forschung vermachen – und scheitert an den Bestattungskosten, die niemand übernehmen kann oder will.

Neumünster | Die Diagnose Kehlkopfkrebs war eine einschneidende Lebenserfahrung für Werner M. Der 61-jährige Neumünsteraner und trockene Alkoholiker (der Courier berichtete) hat keine Kinder oder andere Verwandte, möchte aber trotzdem etwas hinterlassen: Er möchte nach seinem Tod  seinen Körper der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen. Doch das ist schwieriger als gedacht.

 Das Anatomische Institut der Kieler Christian-Albrechts-Universität verlangt von Körperspendern eine Garantie für die Übernahme der Bestattungskosten von mindestens 1050 Euro. Die kann Werner M. sich nicht leisten. Zwar springen bei Zahlungsunfähigkeit Sozial- oder Ordnungsamt für eine Bestattung ein, aber eine schriftliche Zusage dafür bekommt Werner M. von den Behörden nicht.

Durch Bestrahlung und Chemotherapie konnte der Krebs bei Werner M. mittlerweile zurückgedrängt werden. Aber sein Wunsch ist geblieben: „Mein Körper ist nur eine Hülle. Mit der kann geschehen, was will. Warum ihn also nicht noch für etwas Nützliches verwenden?“ Ihm gefällt der Gedanke, dass Mediziner durch seinen Beitrag besser darin werden, anderen Menschen zu helfen. Von Seiten der Uni-Klinik, die auch seinen Krebs behandelt hatte, erfuhr Werner M.  nun, dass bei einer Körperspende ein Angehöriger sich dazu verpflichten muss, die Kosten für Überführung, Leichenschau und Bestattung zu übernehmen. „Oder er übernimmt die Kosten selbst durch eine Vorsorgezahlung“, ergänzte Dr. Bodo Kurz vom Anatomischen Institut auf Courier-Nachfrage. Das war einmal anders. Bis 2004 wurden die Kosten in solchen Fällen von den Krankenkassen übernommen. „Aus dieser Zeit haben wir noch viele Registrierte, für die wir die Kosten übernehmen müssen. Wir sind dankbar für jeden Spender, aber Ausnahmen können wir leider nicht machen“, so Bodo Kurz.

Weil Werner M. keine Angehörigen mehr hat, fragte er zunächst beim Jobcenter, ob man die Kosten für ihn übernehmen würde. Hier erklärte man ihm, für Bestattungskosten sei man nicht zuständig, und verwies auf das Sozialamt.

Doch auch dort hatte Werner M. kein Glück. „Zu Lebzeiten ist eine Kostenübernahme nicht möglich. Das Sozialgesetzbuch greift nur im Falle des Todes und auf Antrag der Angehörigen, wenn die sich die Bestattungskosten nicht leisten können“, erklärte Holger Pohlmann, Fachdienstleiter Soziale Hilfen, gegenüber dem Courier. Gibt es keine Angehörigen, wie im Fall von Werner M., sei es eine ordnungsrechtliche Angelegenheit. In einem solchen Fall bestattet das Ordnungsamt und trägt auch die Kosten. Aber auch hier hieß es, Werner M. müsse, solange er lebe, selbst für die Kosten einstehen.

Die Uni-Klinik kommt also nicht für die Kosten auf und die Behörden erst nach Eintritt des Todes, wenn es für Werner M.s Einwilligung  zur Körperspende zu spät ist. Er ist enttäuscht: „Ich wollte etwas Gutes tun und kann das jetzt nicht. Dass die Klinik sich absichert, kann ich verstehen, aber nicht das Sozialamt. Die stehen wahrscheinlich auf dem Standpunkt, ich könnte ja irgendwann im Lotto gewinnen. Dann haben sie eine Kostenverpflichtung übernommen, auf der sie sitzen bleiben.“

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erstellt am 08.Mär.2017 | 15:05 Uhr

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