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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Neumünster : Bombenverdacht: Erst passierte drei Monate nichts, jetzt soll gebohrt werden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gerhard Matthes Haus steht vielleicht auf einem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg - er sorgt sich um die Sicherheit.

Neumünster | Als Gerhard Matthes Ende Juni in seinen Briefkasten blickte, traf ihn fast der Schlag. In der Post befand sich ein Schreiben vom Landeskriminalamt (LKA) in Kiel – und der Inhalt hatte es in sich. „In unmittelbarer Nähe Ihres Grundstückes wird aufgrund einer Luftbildauswertung das Vorhandensein von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Boden Ihres Grundstückes eine nicht zur Explosion gekommene Fliegerbombe mit unbekanntem Zünderstatus liegt“, hieß es. Weiterhin kündigte das LKA 19 Probebohrungen an, die zum Teil auf öffentlichem Grund, aber auch auf dem Grundstück der Matthes stattfinden sollen. Seitdem sind drei Monate vergangen. Passiert ist bislang nichts – und das stößt Gerhard Matthes sauer auf.

<p>Gerhard Matthes (64) zeigt einen der roten Punkte, die an der Billrothstraße auf dem Bürgersteig und der Fahrbahn als Markierung für die Bohrungen dienen. </p>

Gerhard Matthes (64) zeigt einen der roten Punkte, die an der Billrothstraße auf dem Bürgersteig und der Fahrbahn als Markierung für die Bohrungen dienen.

Foto: Kröger
 

In dem Einfamilienhaus an der Billrothstraße leben neben seiner Tochter Claudia auch seine beiden Enkelkinder Alicia (14) und Jolina (10). „Da kommt natürlich schon ein gewisses Unwohlsein auf“, sagte der 64-jährige Hausbesitzer. Matthes setzte sich nach Erhalt des Schreibens umgehend mit dem Kampfmittelräumdienst in Verbindung. „Dort hat man mein Anliegen aufgenommen, und danach war wieder wochenlang Ruhe. Ich habe mich dann noch einmal dort gemeldet und wurde an die Stadt Neumünster verwiesen. Doch auch dort konnte man mir nicht weiterhelfen“, sagte er. Auf der Sitzung des Stadtteilbeirats Gartenstadt nutzte er die Einwohnerfragestunde, um sein Problem zu schildern, und sorgte für erstaunte Mienen. „Das ist ja ein Hammer!“, hörte man es aus dem Publikum raunen.

Auch Hans-Peter Getzke, der im Nachbarhaus wohnt, wurde über die Bohrungen informiert. „Vor sechs Wochen habe ich ein paar Männer gesehen, die auf der Straße und dem Gehweg mehrere rote Punkte aufgemalt haben. Doch seitdem war niemand mehr da“, sagte er. Angst hat der 70-Jährige nicht: „Ich bin relativ gelassen. Meine Frau ist etwas nervöser, weil man ja nicht weiß, ob Evakuierungen nötig sind und wir das Haus verlassen müssen.“

Diese Frage beschäftigt auch Gerhard Matthes: „Die Ungewissheit ist einfach nicht schön. Man möchte ja irgendwann mal erfahren, was geplant ist und wann das Ganze stattfinden wird“, sagte er. Die Antwort darauf lieferte LKA-Sprecher Torge Stelck: „Die Bohrungen in der Billrothstraße sind für den 17. und 18. Oktober geplant. Sie werden größtenteils auf öffentlichem Grund stattfinden. Teile der sogenannten Detektion werden aber auch auf dem Grundstück der Familie Matthes erfolgen.“

Das Vorgehen sei reine Routine, bestätigte er: „Wir ermitteln ständig aufgrund von Luftbildaufnahmen solche Verdachtsfälle. Das dient dem Schutz der Bevölkerung, denn solche Blindgänger stellen auch nach Jahrzehnten noch eine Gefahr dar.“ Warum die Hausbesitzer noch nicht über den Termin informiert worden sind, konnte Stelck nicht sagen.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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