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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 15:49 Uhr

Gerichtsbericht : Bodybuilder wegen Dopings vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Präparate zum Muskelaufbau machten offenbar auch krank.

Neumünster | Es ging dem Mann (47) wohl um sein Äußeres. Männlich und durchtrainiert wollte der Neumünsteraner offenbar sein. Doch das Fitnessstudio allein war ihm nicht genug. Laut Anklage soll der Mann am 16. September vergangenen Jahres neun Ampullen sowie eine Flasche mit unerlaubten Muskelaufbaupräparaten in seinem Kühlschrank gelagert haben – und das brachte ihm gestern einen Prozess vor dem Amtsrichter wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ein. Denn der Besitz von Arzneimitteln zu Dopingzwecken ist verboten.

Im Gerichtssaal erschien der Mann gestern nicht. Stattdessen wurde er nach telefonischer Rücksprache von seinem Anwalt vertreten, so dass die Verhandlung stattfinden konnte. Grund für das Fehlen ist der schlechte Gesundheitszustand des einstigen Kraftpakets. Der Anwalt schilderte dem Gericht das Leiden seine Mandanten: Zwei Herzinfarkte mit Notoperationen warfen den Mann demnach in diesem Jahr komplett aus der Bahn. Er bekam zwei sogenannte Stents (Gefäßstützen) und vier Bypässe (künstlich angelegte Umgehungen verengter Blutgefäße). Erst vor wenigen Tagen sei er von einem Reha-Aufenthalt nach Hause zurückgekehrt. Auch gestern saß der Angeklagte beim Arzt – wegen einer Muskelverletzung.

Sein Anwalt wertete die schweren Erkrankungen durchaus als Folge der Einnahme der Präparate. Allerdings sah er für den Konsum der Medikamente einen anderen Grund als die Anklage. „Mein Mandant hat mir nichts von Doping im Sport gesagt. Für ihn waren es Anti-Aging-Produkte“, so der Jurist.

Eine Ex-Freundin (24) des Neumünsteraners schilderte gestern als Zeugin ihren Eindruck vom Medikamentenkonsum des Mannes aus der gemeinsamen Zeit. „Im Schlafzimmer im Nachtschrank fand ich mal ungefähr 300 Spritzen. Nach ungefähr drei Monaten waren die so gut wie aufgebraucht“, so die Neumünsteranerin. Auf Nachfragen habe ihr damaliger Freund, der täglich ins Fitnessstudio ging, jedoch stets sehr einsilbig reagiert. „Erst hat er immer alles abgestritten und gesagt, dass er nichts nimmt. Später sagte er dann, er hätte ein Mal was genommen – denn andere würden das ja auch so machen“, erzählte die Zeugin.

Letztendlich verurteilte der Richter den Mann zu einer Zahlung von 450 Euro und folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin. In seiner Entscheidung berücksichtigte der Jurist die schweren gesundheitlichen Folgen, die sich der Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Doping-Mittel eingehandelt hat. Der Angeklagte, der bis vor seinen Infarkten im Baugewerbe selbstständig tätig war, lebt seit einigen Monaten von Hartz IV. „Mit körperlicher Arbeit wird das wohl auch nichts mehr werden“, meinte sein Anwalt, der Freispruch gefordert hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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erstellt am 06.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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