zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Nordbau : Bezahlbarer Wohnraum bleibt das Ziel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen war 1956 Mitbegründer der Nordbau. Neumünster war Hochburg des Siedlungsbaus

Neumünster | Die Nordbau wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Taufpaten waren 1956 die „Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen“ (Arge) und die damalige Wohnungsbau-Kreditanstalt (heute: Investitionsbank). Aus der einstigen Lehr- und Informationsschau der Arge entwickelte sich die Nordbau zur größten Baufachmesse Nordeuropas.

„Wir als Arge begleiten die Nordbau von Beginn an im Messebeirat“, sagt der Arge-Geschäftsführer Dietmar Walberg. Die Arge selbst hatte schon im Februar Grund zu feiern: Sie wurde am 21. Februar 1946 gegründet und ist damit noch ein halbes Jahr älter als das Land Schleswig-Holstein.

„Das Thema ist heute so aktuell wie vor 70 Jahren – bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagt Walberg. Der Architekt ist seit 2000 bei der Arge und seit sechs Jahren ihr Geschäftsführer. Auf der Nordbau ist die Arbeitsgemeinschaft auf einem Gemeinschaftsstand mit der I-Bank und der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein im Foyer zu finden. Das Trio bietet hier unabhängige Beratung zu technischen Baufragen, aber auch zur Baufinanzierung. Sehr beliebt sind die Messe-Scouts, die Nordbau-Besucher durch das Dickicht des Messeangebotes führen.

Die Arge hat ihren Sitz in der Landeshauptstadt Kiel. Dennoch gehören Arge, Nordbau und Neumünster zusammen, sagt Walberg. „Neumünster hatte für uns als Arge beim Thema Wohnungsbau eine Schlüsselrolle – und das für ganz Deutschland“, so Walberg. Am 1. März 1950 wurde der Grundstein für die Böcklersiedlung gelegt. Walberg: „Das war der Beginn der systematischen sozialen Wohnraumförderung in der Bundesrepublik und nebenbei die größte Wohnungsbaustelle in ganz Deutschland. Auf einen Schlag entstanden rund 1800 Wohnungen.“

Dass in der Böcklersiedlung seit Jahren schon wieder viel gebaut wird, freut Dietmar Walberg. „In der Böcklersiedlung kann man alle Themen finden, die den Wohnungsmarkt zurzeit beschäftigen“, betont er und nennt die Modernisierung, die Anpassung der Wohnungen an heutige Standards und an den heutigen Wohnungsmarkt, aber auch Abriss und Neubau. „Wir nennen das Bestandsersatz, weil das immer auch mit sozialen Maßnahmen verbunden ist, etwa der Begleitung der Mieter durch ein Umzugsmanagement“, sagt der Arge-Chef.

Neumünster habe noch ein paar andere herausragende Eigenschaften. „Neumünster war die Hochburg des Siedlerwesens und der Eigenhilfe und damit der Eigentumsbildung für Schichten, die sich das sonst nicht hätten leisten können“, sagt Walberg.

Und Neumünster erlebte wie kaum eine andere Stadt einen großen Strukturwandel. Erst verschwand die Tuch- und Lederindustrie, dann nach der Wende und dem Ende des Kalten Krieges die Bundeswehr. Frühe Konversionsprojekte wie der Umbau der ehemaligen Sick-Kaserne zu altengerechten Wohnungen hatten bundesweit Vorbildcharakter. „Neumünster war lange Zeit eine schrumpfende Stadt. Der Trend hat sich umgekehrt. Das ist erfreulich, zeigt aber auch, dass in Neumünster noch mehr Akteure am sozialen Wohnungsbau teilnehmen sollten“, rät Dietmar Walberg. Zwingen könne man dabei aber niemanden. Walberg: „Sozialer Wohnungsbau ist ein Angebot des Landes.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen