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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 18:37 Uhr

Gericht : Bewährung für Schüsse auf Kioskbesitzer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

39-jähriger Ex-Neumünsteraner bleibt auf freiem Fuß

Neumünster | Weil er sich tödlich beleidigt fühlte, hat ein 39-jähriger ehemaliger Drogenkonsument im vergangenen Jahr einen Kieler Kioskbesitzer mit zwei Schüssen niedergestreckt. Das Schöffengericht ahndete die Tat des türkischstämmigen Mannes jetzt mit einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung.

Dabei hätte die Sache durchaus schlimmer ausgehen können, wie die Vorsitzende Richterin gleich zu Beginn der Verhandlung unterstrich: Zwar hatte der geständige Ex-Neumünsteraner mit seinem Revolver aus drei Metern Entfernung gezielt auf die Beine seines Widersachers geschossen. Dass er dem Mann aber, wie er versicherte, nur einen Streifschuss beibringen wollte, mochte die Richterin nicht so recht glauben. Der Neumünsteraner feuerte zweimal und traf das 29-jährige Opfer im Unterschenkel. Knochen, Gelenke oder lebenswichtige Gefäße wurden nicht verletzt. Das sei auch gar nicht gewollt gewesen, beteuerte der Angeklagte, er habe dem Mann nur eine Lektion erteilen wollen.

Den jungen Kioskbetreiber, der nicht vor Gericht erschienen war, hatte der Schütze erst tags zuvor per Zufall kennengelernt. Ehemalige Kollegen hatten den Neumünsteraner zum Bier am Kiosk eingeladen. Im Verlauf des zunächst harmlosen Männertreffens kam es zum Streit, bei dem der Kioskbetreiber den Neumünsteraner dann recht drastisch beleidigt haben soll, indem er ihm ankündigte, seine Frau „mal ordentlich ranzunehmen.“

Die Beleidigung habe ihn tief verletzt, die ganze Nacht habe er nicht schlafen können und viel getrunken, sagte der Angeklagte. Am nächsten Vormittag suchte er – offenbar noch immer stark angetrunken – den Kiosk-Besitzer erneut auf, um ihn zur Rede zu stellen. Eine Entschuldigung habe der Mann aber schlichtweg abgelehnte, beklagte sich der Angeklagte.

Erst jetzt entschloss sich Beleidigte offenbar, handfest Rache zu nehmen. In einem benachbarten Park grub er den vor Jahren versteckten Revolver aus, lief mit der Waffe zum Kiosk zurück und feuerte wutentbrannt zwei Schüsse ab. Noch während der Verletzte Deckung suchte, rief er ihm sinngemäß hinterher „Wenn Du nicht so jung wärst, würde ich dich erschießen!“

Im Gerichtssaal klang das gestern ein paar Nummern kleinlauter: „Ja, ich wollte mich rächen, ihm eine Lektion erteilen, ihm aber nicht ernsthaften Schaden zufügen“, beteuerte der Angeklagte.

Sein Verteidiger stellte vor allem auf die depressive Grundstimmung seines Mandanten ab und verwies darauf, dass der Schütze zum Tatzeitpunkt stark angetrunken war und unter Drogen stand. Staatsanwaltschaft und Richter mochten dagegen keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit erkennen: Der Angeklagte habe gezielt und geplant gehandelt. Die Bewährung wurde auf drei Jahre festgesetzt. Außerdem machte das Gericht eine Therapie zur Auflage.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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