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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 10:41 Uhr

Lebenshilfe : Besondere Mannschaft sucht Gegner

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Lebenshilfe hat eine Damen-Fußballmannschaft gegründet. Zehn Spielerinnen gehören zum Kader.

Neumünster | Sich austoben, Tore schießen, zu einer Mannschaft zusammenwachsen – die Damen-Fußballmannschaft der Lebenshilfe erlebt all das seit Anfang 2015. Und es ist die einzige Fußballmannschaft in Schleswig-Holstein, in der ausschließlich Frauen mit Behinderung spielen. Mitmachen darf jede Betreute der Lebenshilfe, die Lust hat, Fußball zu spielen.

Der Trainer Frank Schwenck (57) ist seit acht Jahren Arbeitsgruppenleiter und leitet das Training nebenbei. „Früher habe ich mal Jugendliche in einem Sportverein trainiert“, sagt er. Zu der reinen Damenmannschaft hatte eine Betreute, Maike Thomalla, die Idee: „Zuerst habe ich überlegt, bei der Männermannschaft mitzuspielen, aber dann dachte ich, wir brauchen doch auch eine Damenmannschaft!“ Seit Gründung der Mannschaft ist sie die Kapitänin und steht im Tor. „Das Training ist anstrengend, aber es macht auch sehr viel Spaß“, sagt sie.

Auch Frank Schwenck ist begeistert von dem Engagement seiner Spielerinnen: „Es ist toll zu sehen, wie alle immer mehr dazu lernen und sich steigern.“ Jeden Montag trainiert die Mannschaft draußen auf einem kleinen Fußballfeld, erst ab November geht es zum Training in die KSV-Sporthalle.

Das Problem, ebenbürtige Gegner zu finden, beschäftigt den Trainer: „In Lübeck gab es bis vor einiger Zeit noch eine zweite Damenmannschaft einer Einrichtung. Gegen die haben wir einmal gespielt, aber später hat sie sich aufgelöst. Das macht die Suche nach einem Gegner sehr schwierig.“

Deshalb appelliert Frank Schwenck an andere Werkstätten, auch eine solche Mannschaft zu gründen: „Es gibt bestimmt viele Frauen, die gerne Fußball spielen würden. Oft gibt es schon eine Herrenmannschaft, aber keine für die Frauen. Das sollte sich ändern.“

Die Spielerinnen sind schwer begeistert von ihrem Trainer, den sie Franky nennen. „Er ist toll und überhaupt nicht streng“, sagt Ilona Schultz, die wie viele seit der Gründung der Mannschaft dabei ist. Auch die Co-Kapitänin Sabine Wähner macht vom ersten Tag an mit und bereut es nicht. „Es ist lustig, und wir steigern uns alle“, sagt sie.

Zwei gehörlose Spielerinnen kicken ebenfalls mit; sie lesen die Kommandos des Trainers von den Lippen ab. Frank Schwenck selbst beherrscht die Gebärdensprache nicht, dafür aber einige Spielerinnen. „Das klappt trotzdem sehr gut! Eine der beiden, Udine Herrgroß, spielt sehr gut und gehört zu den Leistungsstarken“, erklärt er. Das Training besteht aus mehreren kurzen Übungen, um die Technik zu üben, am Ende folgt eine Spielphase.

Gesa Kanzmeier hat mit der Gruppe viele positive Erfahrungen gemacht. „In dieser Mannschaft fühle ich mich wohl. Es fing bei Null an, wir mussten auch erstmal als Team zusammenwachsen. Das hat zusammengeschweißt“, sagte die Spielerin. Auch an das Spiel gegen die Mannschaft aus Lübeck hat sie gute Erinnerungen: „Wir haben eine Medaille gewonnen, darauf sind wir sehr stolz.“

Der Trainer ist vor allem auf das Engagement stolz: „Meine Mädels haben selber die Regel eingeführt, dass jeder, der den Ball aus dem Spielfeld schießt, 50 Cent in eine Kasse zahlen muss. Davon wollen wir essen gehen. Eine tolle Idee!“ Was die Arbeit mit Menschen mit Einschränkungen für ihn so spannend macht, bringt er auf den Punkt: „Es macht so viel Spaß, weil man so viel zurück bekommt. Die Leute sind dankbar, und das ist schön.“

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