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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 15:15 Uhr

Trappenkamp : Bei einer Umbenennung spielen Personen keine Rolle

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Morgen stimmt die Gemeindevertretung ab, ob die Gerlich-Schule einen neuen Namen erhält.

Trappenkamp | Seit vier Jahren wird die Namensgebung für die Trappenkamper Grundschule mit Förderzentrum in der Gemeinde diskutiert. Seit 1969 trägt die Schule den Namen Dr.-Gerlich-Schule. Ob die Schule wegen der Nazi-Vergangenheit von Dr. Gerhard Gerlich umbenannt werden soll, ist Thema auf der nächsten Gemeindevertretersitzung am morgigen Donnerstag, 11. August.

Ins Rollen kam die Sache, als die damalige Schülerin Christina Schubert sich mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Gerlich in der NS-Zeit beschäftigte und ihr Text in einem Sammelband veröffentlicht wurde. Darin taucht Gerlich (1911 bis 1962) als NSDAP- und SS-Mitglied auf. Das Sudetendeutsche Kulturwerk in Trappenkamp gab deswegen ein Gutachten über den Sudetendeutschen Gerlich und sein Wirken bis 1947 in Auftrag, das 2013 erschien. Der Kieler Biograf Dr. Ulrich Erdmann hat sich mit dessen Lebensstationen bis zum Jahr 1947 beschäftigt, insbesondere mit seinem Verhalten während der NS-Zeit. Um die gesamte Persönlichkeit Dr. Gerlichs besser einschätzen zu können, hatte die Gemeindevertretung Trappenkamp Erdmann mit einem zweiten Gutachten beauftragt, das sich mit dem Leben Dr. Gerlichs nach dessen Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis zum frühen Tod im Jahr 1962 befasst. Das zweite Gutachten erschien im Juni dieses Jahres. Beide Gutachten sind über die Homepage der Gemeinde einsehbar (www.trappenkamp.de). Erdmann kommt unter anderem zu dem Schluss, dass Gerlich Aktivitäten für NSDAP und SS nach dem Krieg verschleierte und dann politisch Karriere machen konnte: in der CDU, im Landtag und in den Vertriebenverbänden. Erdmann beschreibt auch, dass die Informationen über Gerlich in Archiven, Bibliotheken oder bei CDU-Verbänden spärlich sind.

Einen ähnlichen Fall hatte es in Rickling beim Landesverein für Innere Mission gegeben: Nach einigem Hin und Her wurde dort im Juli 2014 der Bischof-Halfmann-Saal schließlich doch in Fichtenhofsaal umbenannt. Die Diskussion war ausgebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass Wilhelm Halfmann Wegbereiter der Nationalsozialisten war und sich in seiner Schrift „Die Kirche und der Jude“ antisemitisch geäußert hatte.

Die Schulkonferenz der Gerlich-Schule hat sich bereits für eine Umbenennung der Schule entschieden. In einer Sondersitzung der Gemeinde soll morgen abschließend über das Thema gesprochen und abgestimmt werden. Trappenkamps Bürgermeister Harald Krille hatte bereits eingeräumt, dass das Thema brisant sei, und wenn die Schule sich einen neutralen Namen wünsche, dem entsprochen werden sollte.

Wenn die Gemeindevertretung der Umbenennung zustimmt, dann soll auch gleich über den neuen Namen gesprochen werden. Wie Harald Krille mitteilte, seien Gemeinde und Schule übereingekommen, einen ganz neutralen Namen zu wählen und die Schule nicht erneut nach einer lokalen Persönlichkeit zu benennen. Zuletzt hatte es deswegen 2009 Streit in Trappenkamp gegeben: Die Schulkonferenz der damaligen IGS hatte sich für den Namen Marie-Curie-Schule entschieden. Mit der SPD-Mehrheit wurde dieser Beschluss abgeschmettert: Wenn die IGS in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt wird, bekommt sie den Namen Richard-Hallmann-Schule, hieß es. Die Gemeinde ist Trägerin der Schule. Damit war der von der Schulkonferenz einstimmig gewählte Beschlussvorschlag für die Umbenennung in die Marie-Curie-Schule hinfällig und die Enttäuschung an der Schule groß.  

>Die Gemeindevertreter aus Trappenkamp kommen am Donnerstag, 11. August, zur Sitzung im Bürgerhaus zusammen. Beginn ist um 19.30 Uhr. Außer der Namensänderung der Dr.-Gerlich-Schule soll auch über die Flutlichtanlage auf dem Sportplatz sowie über die Anlage eines Amphibienteiches gesprochen werden.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 07:00 Uhr

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