zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Memellandstrasse: : Bauprojekt in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

SPD: Kritiker gefährden Leuchtturmprojekt für Neumünster

Neumünster | Der geplante Campuspark an der Memellandstraße ist zur Hängepartie geworden. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hat jetzt ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, das für das ehemalige Gelände der Standortverwaltung einen marktgerechten Kaufpreis ermitteln soll. Wann die Ergebnisse vorliegen, ist derzeit offen. Damit liegt der von der Stadt geplante Verkauf des Grundstücks aber erst einmal auf Eis.

Der Eutiner Investor Thomas Hüstreich will auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände für rund 30 Millionen Euro ein Ausbildungszentrum für Pflegeberufe mit angeschlossenem Campusbetrieb aufbauen. Darüber hinaus ist eine umfangreiche Wohnbebauung vorgesehen. Als Berater ist hier der frühere Minister und SPD-Fraktionschef Uwe Döring engagiert (der Courier berichtete). Befürworter sehen darin ein Leuchtturmprojekt für Neumünster, das den Ruf der Stadt als Ausbildungs- und Gesundheitszentrum in Schleswig-Holstein deutlich stärken könnte. In Eutin stellten Hüstreich und Döring in der vergangenen Woche ebenfalls Pläne für einen „Gesundheitscampus“ mit bis zu 70 Wohnungen vor.

Die neuerliche Expertise ist bereits die zweite nachträgliche Bewertung des Grundstückspreises. Nach Informationen des Couriers will die Stadt dem Investor das ehemalige Bundeswehrgelände für rund 150 000 Euro überlassen, was einem Quadratmeterpreis von rund 5 Euro gleichkäme. Gegen den extrem niedrigen Preis hatte es im Hauptausschuss Bedenken gegeben. Der OB hatte den Kaufpreis daraufhin vom städtischen Gutachterausschuss bewerten lassen. Der kam zu dem Schluss, dass allein die frühzeitige Veröffentlichung des geplanten Projekts den Verkehrswert nach oben getrieben haben könnte. Das jetzt in Auftrag gegebene externe Gutachten soll diese Bewertung überprüfen.

OB Tauras könnte die Neubewertung in die Bredouille bringen: Verkauft er das Grundstück zu günstig, könnte die Kommunalaufsicht den Verkauf rechtlich angreifen. Dieses Risiko will die Stadt mit der Ermittlung eines marktgerechten Preises durch einen externen Gutachter offenbar ausschließen.

Im Hauptausschuss kritisierte Ratsfrau Franka Dannheiser (SPD) am Dienstagabend die Verzögerung und ging dabei vor allem die Bedenkenträger hart an: Die Kritiker seien im Begriff, ein Millionenprojekt mit gewaltigen positiven Impulsen für die Stadt leichtfertig zu verspielen, sagte Dannheiser. Sie erinnerte daran, dass Neumünster im Tauziehen um den Campuspark im Wettbewerb mit einer norddeutschen Metropole stehe, „die das Projekt nur zu gerne an Land ziehen würde. Dort überlässt man dem Investor das Grundstück zum Nulltarif“, unterstrich Dannheiser gestern gegenüber dem Courier.

Hauke Hahn (CDU), einer der Skeptiker, die den niedrigen Grundstückspreis kritisiert hatten, zeigte sich gestern gelassen gegenüber der Kritik: „Ich habe nichts gegen das Projekt.“ Die Stadt sei aber in der Pflicht, marktübliche Grundstückspreise anzusetzen, sonst mache sie sich angreifbar. Das Projekt werde größer geredet, als es bislang sei, sagte Hahn. So gebe es bislang nur vage Absichtserklärungen des Investors.

Sebastian Fricke (Grüne) sieht es auch so. „Hätten wir diese Fragen nicht gestellt, hätten es irgendwann andere getan. Und wenn dann herauskommt, dass der subventionierte Preis rechtswidrig ist, dann wäre uns das Projekt auf die Füße gefallen. Wenn das Gutachten den Preis bestätigt, könnte ich den Verkauf vertreten“, sagte er zum Courier.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 30.Jun.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen