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Holsteinischer Courier

30. September 2016 | 13:46 Uhr

Neumünster : Aufregung um Polizeieinsatz: 13-Jährige im Schwimmbad belästigt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine 13-Jährige fühlte sich von einer Migranten-Gruppe belästigt. Erinnerungen an Köln werden wach.

Neumünster | Ein Einsatz der Polizei im gut besuchten Bad am Stadtwald hat ordentlich Aufregung in Neumünster ausgelöst. Die Gerüchteküche brodelt. Am vergangenen Sonnabend rief ein Mitarbeiter der Stadtwerke um 17.15 Uhr die Polizei: Mehrere Ausländer seien in der Schwimmhalle einem Mädchen zu nahe gekommen. Die Einsatzleitung beorderte daraufhin mehrere Streifenwagen in das Bad Zunächst wurde befürchtet, hier habe es ein ähnliches Ereignis gegeben wie in der Silvesternacht in Köln und anderen Innenstädten. „Das war aber definitiv nicht der Fall“, sagte Polizeisprecher Sönke Hinrichs am Mittwoch auf Courier-Frage. Die Ermittlungen hätten ein anderes Bild ergeben.

Seit den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg wird verstärkt über kriminelle Migranten diskutiert. Werden ihnen Straftaten nachgewiesen, sollen sie möglicherweise schneller abgeschoben werden.

Was ist tatsächlich passiert?

Laut Polizei hatte sich eine Jugendliche (13) in der Schwimmhalle schon eine Weile beobachtet gefühlt – aus einer Gruppe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die hätten geglotzt und offenbar über sie geredet. Die Sprache konnte das (einheimische) Mädchen nicht verstehen. „Als dann einer der Jungs auf sie zukam und sie am Handgelenk packte, protestierte das Mädchen und riss sich los. Es ging zum Bademeister, der sofort die Polizei rief“, sagte Hinrichs.

Die Polizisten verschafften sich einen Überblick über die Lage und nahmen die Personalien von elf Migranten zwischen 13 und 15 Jahren auf. Der 15-Jährige, der das Mädchen am Handgelenk gepackt hatte, war ein Iraker aus einer Jugendeinrichtung in Neumünster. Gegen ihn und einen weiteren Jungen wurde ein Platzverweis ausgesprochen, so Hinrichs.

Nach erster Einschätzung der Polizei hat es keine strafbare Handlung gegeben, schon gar nicht mit sexuellem Hintergrund. „Es sieht eher nach einer jugendtypischen Rangelei aus. Das Mädchen fühlte sich bedrängt, weil über sie getuschelt wurde“, sagte der Polizeisprecher. Möglicherweise hätten sich die Jugendlichen auch gekannt. Die Ermittlungen der Polizei seien noch nicht abgeschlossen.

Stadtwerke prüfen Einsatz von Sicherheitspersonal

Bei den Stadtwerken ist man erschrocken über den Vorfall. „Unsere Kunden sollen sich bei uns sicher fühlen. Dafür werden wir alles tun“, so SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt. Der Mitarbeiter habe korrekt gehandelt und sicherheitshalber die Polizei gerufen. Man werde auch mit anderen Mitarbeitern über den Umgang mit solchen Fällen sprechen. Selbst der Einsatz von Sicherheitspersonal werde geprüft, so Schmidt.

Ein Kommentar von Thorsten Geil: Aufregung über die Polizei im Schwimmbad

Offenbar sind auch bei der Neumünsteraner Polizei die Bilder von den Ereignissen aus der Silvesternacht in Köln im Kopf: Weil am Sonnabend in der Einsatzleitung der Anruf einging, mehrere Ausländer bedrängten im Bad am Stadtwald ein Mädchen, wurde lieber gleich ein Streifenwagen mehr geschickt. Und das ist auch richtig so, denn das entsetzliche Geschehen aus Köln darf sich nicht wiederholen. Nach den Erkenntnissen der Polizei ist das aber im Schwimmbad auch nicht annähernd passiert.

Trotzdem: Die Grapscher und Diebe von Köln wissen gar nicht, was sie der großen Mehrheit der absolut friedlichen Ausländer in unserem Land angetan haben. Sie haben Deutschland in dieser Nacht verändert. Bei sehr vielen wohlmeinenden Deutschen ist etwas kaputt gegangen. Ich kenne viele Leute in Neumünster und anderswo, deren Einstellung sich über Nacht gewandelt hat. Plötzlich hört man viel häufiger Zweifel daran, ob „wir das schaffen“ (Angela Merkel und Anna-Katharina Schättiger); plötzlich erzählen mutige, selbstbewusste Frauen, sie gingen abends nicht mehr allein über den Großflecken; Väter von Teenagern geben in der Familie die Parole aus, niemand verlasse im Dunkeln das Haus, ohne zumindest den Hund mitzunehmen. Das ist grässlich.

Wir müssen verdammt aufpassen, dass wir die Kurve kriegen und eine offene Gesellschaft bleiben. Wir müssen aber auch allen Gästen, Ausländern und Flüchtlingen klar machen, dass unsere Gesellschaft, unsere Art zu leben, nicht verhandelbar sind.

 

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erstellt am 14.Jan.2016 | 11:30 Uhr

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