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Holsteinischer Courier

28. März 2017 | 04:31 Uhr

„Auf und davon“ : Amüsante Boulevard-Seifenblase

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Boulevardkomödie „Auf und davon“ begeisterte das Publikum im ausverkauften Theater in der Stadthalle.

Neumünster | Wenn eine französische Comtesse mit ihrer Sekretärin in einem New Yorker Hotel festsitzt, weil der eifersüchtige Gatte das Bankkonto gesperrt hat, dann ist das eine durchaus normale, nur für die Beteiligten peinliche Situation. Wenn dann ein Amerikaner mit dicker Brieftasche sich als Retter in der Not erweist und der klammen Comtesse ein Paket Pfandbriefe – ihre letzte Habe – zu überteuertem Preis abkauft, dann ist das die noble Geste eines Gentlemans. Wenn aber die Pfandbriefe gefälscht sind und Comtesse und Sekretärin ein raffiniertes Gaunerpaar – ausgestattet mit diversen Pässen, einigem Sprachtalent und jeder Menge Chuzpe – dann ist das ein krimineller Tatbestand.

Nicht so bei Peter Yeldham (geb. 1927) in seiner Boulevardkomödie „Auf und davon“, in der drei Betrüger den Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen können und sich trotz illegaler Machenschaften die Sympathien des Publikums im ausverkauften Theater in der Stadthalle erwerben.

Das geschickt gebaute Stück hat bereits einiges an Patina angesetzt (Uraufführung 1969 in London), doch es hat drei Gauner-Paraderollen, und die Handlung lässt sich mit etwas Aktualität durchaus aufpeppen wie am Donnerstagabend im Gastspiel der Komödie im Marquart aus Stuttgart zu sehen. Regisseur Manfred Langner holte viel Vergnügliches, Witziges, Komödiantisches aus der sehr vorhersehbaren Handlung heraus. Gespielt wurde in dem gelungenen Bühnenbild und in den ideenreichen Kostümen von Barbara Krott.

Schon nach den ersten Sätzen war klar, was die charmant-diebischen Damen in den Metropolen der Welt so treiben. Diese Erkenntnis hätte die Regie, um der Handlung etwas mehr Spannung zu geben, gerne ein wenig länger hinauszögern können. Das reizende Damen-Duo Elisabeth und Josephine ist schon sehr aufgeweckt und gewieft, aber noch viel gewiefter ist ihr „Opfer“ Charlie, der seinerseits weit mehr betrügerische Tricks auf Lager hat und sich geschickt aus jeder noch so brenzligen Lage herauswindet.

Schwierig wird es erst, als aus der Geschäftsbeziehung der drei Gauner eine, nein zwei, Liebesbeziehungen werden. Wie teilt man sich einen Mann? Ist ein Mann zwei so temperamentvollen Damen gewachsen? Hier kam Charlie an seine physischen, Max Tidof aber nicht an seine schauspielerischen Grenzen. Tidof verkörperte den Ganoven mit großer Spielfreude, Wandlungsfähigkeit und präzise gesetzten, gut getimten Pointen.

Übertriebener und aufgesetzter gingen die Damen mit ihren Rollen und Identitäten um: Kim Zarah Langner gefiel als herzhaft-zupackende Josephine, Natalie O’Hara als sanft-durchtriebene Elisabeth. Zum „ausgenommenen“ Opfer auf allen Kontinenten eignete sich Axel Weidemann, und Susanne Theil und Jens Waggon (Room-Service) gestalteten ihre kleinen Intermezzi amüsant.

„Auf und Davon“ war eine hübsche Boulevard-Seifenblase und trug den Mitwirkenden des Stückes am Ende der Veranstaltung viel Applaus ein.

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