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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 17:17 Uhr

Reha-Erfolg : Am liebsten mögen die Kinder das Obst

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tschernobyl-Kinder: Vitamine, frische Luft, schöne Erlebnisse heben den Lebensmut / Wichtig sind auch medizinische Untersuchungen

Neumünster | Das durchwachsene Sommerwetter ging auch an den krebskranken Kindern aus der Ukraine nicht spurlos vorbei: „Es gab ein paar Fälle mit einem leichten Infekt, Husten und laufenden Nasen, aber so lange keiner Fieber hat, ist das nicht problematisch“, sagt Eberhardine Seelig. Die 75-Jährige organisiert mit ihrem Helfer-Team zum 25. Mal die Reha-Kur für die Tschernobyl-Kinder und zog jetzt (nach drei Wochen) ein positives Zwischenfazit: „Es gibt keine Sorgenkinder, und es herrscht gute Stimmung.“

Viele Vitamine, jeden Tag Spaziergänge an der frischen Luft, schöne Erlebnisse, um den Kindern nach monatelangen Aufenthalten in Kliniken und Chemotherapie wieder Lebensmut und Hoffnung zu geben – das Programm schlägt an. „Ein Kind ist sogar anderthalb Jahre in einer Klinik gewesen. Viele konnten aufgrund ihres Zustandes danach auch nicht zur Schule gehen. Hier blühen sie richtig auf, es entstehen Freundschaften. Und Kinder mit so gutem Appetit hatten wir die ganzen Jahre nicht“, sagt Eberhardine Seelig beim Mittagessen mit Blick auf die leeren Teller.

Die Ernährung ist eines der wichtigen Bausteine: Die Mahlzeiten sind vitaminreich, fettarm und regelmäßig auch vegetarisch. Sechs Mal am Tag gibt es Obst, einmal frisch gepressten Saft: „Die Kinder haben am Anfang gestaunt, dass sie immer nochmal Obst bekamen, machten große Augen und fragten, ob das wirklich so richtig ist – das ist für sie Luxus“, sagt sie.

Die Familien in der Ukraine können sich kein teures Obst kaufen. Es gibt keine Krankenversicherung, sie müssen die Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. Aufgrund der Inflation zeigen die Kinder Mangelerscheinungen wie in den 90er-Jahren“, sagt Eberhardine Seelig. In der Ukraine verdient eine Ärztin 80 Euro pro Monat, eine Krankenschwester 60 Euro. Ein Kilo Erdbeeren kostet im Sommer 1 Euro, im Winter 3 Euro.

Mit zum Reha-Programm gehören aber auch weitere medizinische Versorgungen – alle kostenlos. Blutproben werden im Friedrich-Ebert-Krankenhaus untersucht, Zahnärzte beseitigen Karies & Co. Beim Optiker gibt es neue Brillen. „Gutes Sehen ist extrem wichtig für die schulische und persönliche Entwicklung, darum engagieren wir uns schon jahrelang“, sagt Marian Bülow, Leiter der Fielmann-Filiale am Großflecken.

Viktoriia Lytviniuk (10) hatte einen Knochentumor; durch die Schädigung der Nerven wuchs ihr linkes Bein nicht normal weiter. Bei der Firma Orthopädie-Technik Nord maß Schuhtechniker-Meister Thorge Siegfried die Beinlängendifferenz für orthopädische Schuhe.

Für die Stärkung von Körper, Geist und Seele erhalten die Kinder außerdem regelmäßig Deutsch- und Religionsunterricht und bekommen Physiotherapie. Die Kinder waren schon auf einem Erlebnis-Bauernhof in Appen, im Tierpark, beim Bauern Voigt in Tasdorf, wo Kutschfahrten unternommen wurden, und die Kinder hoben auf dem Flugplatz ab. Jetzt steht noch ein Ausflug zum Augustenhof an.

Zurzeit üben die Kinder für das Abschiedsfest, das am Sonntag, 21. August, um 19.30 Uhr in der Gemeinschaftsschule Faldera an der Franz-Wieman-Straße stattfindet. Abfahrt ist am Freitag nächster Woche.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 10:30 Uhr

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