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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Jubiläum : Aleviten: Zum 25. ein großes Fest

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gemeinde in Neumünster feiert Jubiläum in der Holstenhalle 2 / Die Anfänge waren schwierig wegen Repressalien durch die Türkei

Neumünster | Als Erdogan Bicici beschloss, sich als Sekretär in der neu gegründeten Alevitischen Gemeinde zu engagieren, war das eine nicht immer ungefährliche Pionierarbeit. „Damals herrschte Angst, es gab Repressalien und Anfeindungen. „Wir waren der zweite Alevitische Verein bundesweit“, erinnert sich der heute 49-Jährige. Das war vor 25 Jahren – und die Aleviten sind inzwischen angekommen in der Gesellschaft und feiern das runde Jubiläum mit einem großen Fest.

Gegründet wurde die Gemeinde von zwölf Personen; es gab 150 Mitglieder. Erster Vorsitzender war Ihsan Yigit. Die Anfänge waren schwierig. Die Verfolgung von Aleviten in der Türkei zeigte auch in Deutschland Wirkung; die erste Generation der Einwanderer verbarg aus Furcht vor türkischen Verfolgern ihre Identität. „Ein Alevit konnte neben dem anderen arbeiten und nicht wissen, dass er auch ein Alevit war“, schildert Bicici das damalige Klima. Die Vereinsgründung war daher ein Signal, die Identität und das kulturelle Erbe zu bewahren. Versammlungen fanden zunächst in Privathaushalten, dann im ersten Vereinsheim an der Anscharstraße 22 statt. Es gab Jugend-, Musik- und Tanzgruppen und ein Fußballteam bei Gut Heil. Da das Gebäude baufällig war, zog der Verein in die Wasbeker Straße, 2011 an den heutigen Standort an der Altonaer Straße 12. Der Schwerpunkt der Gemeindearbeit war kulturell; eingeübt und präsentiert wurden gesungene und von dem Saiteninstrument Saz begleitete Gebete (Cem) und rituelle Tänze. Es gab Auftritte auf der Holstenköste, bei der Orientalischen Nacht des DGB, auf dem Festival der Kulturen, bei „Neumünster singt und spielt“ oder auf der Interkulturellen Woche. Das Gemeindeleben blühte auf; inzwischen gibt es 150 Mitglieder und etwa 1500 Angehörige dieser Glaubensrichtung in der Stadt. „Aleviten haben sich auf die Fahne geschrieben, tolerant und aufgeklärt zu sein; inzwischen ist in Deutschland bekannt, dass es eben nicht nur Sunniten, sondern auch Schiiten (Aleviten) gibt. Wir kämpfen gegen Rassismus und Diskriminierung“, sagt Bicici. Dazu gehört auch, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind, gemeinsam beten, gleiches Sprachrecht haben und der Umgang offen und nicht durch aufgezwungene Regeln vorgeschrieben ist, sagt Sibel Catalkas vom Vorstand. Die aktuelle politische Lage in der Türkei bewerten die Aleviten als „noch schlimmer als vorher“.

Auf dem Fest am morgigen Sonnabend, 7. Mai, ab 16 Uhr in der Holstenhalle 2 wird Hüsyin Mat, der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschlands, sprechen, ebenso weitere Redner. Sängerin Filiz Kilic und Sänger Erkan Ozbay geben ein Konzert, eine Kieler Musikgruppe sorgt für Tanzmusik. Fürs leibliche Wohl wird mit Köfte und Döner gesorgt. Der Eintritt kostet 10 Euro an der Tageskasse.

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erstellt am 06.Mai.2016 | 16:00 Uhr

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