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Holsteinischer Courier

28. August 2016 | 16:02 Uhr

Stadtgeschichte : AEG-Urgesteine erinnern sich mit Wehmut und Skepsis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Pensionärs-Vereinigung trifft sich einmal im Monat zum Klönschnack und Spielen

Neumünster | Der frühere Betriebsratsvorsitzende Horst Lücke (81) hat 48 Jahre bei der AEG auf dem Buckel, bei Else Frommholz (79) sind es 34, Ernst August Hupe (85) kommt auf 30 Berufsjahre beim Schaltgerätewerk. Beim Monatstreff der AEG-Pensionäre in der Friesenstube des Hauses Hog’n Dor kommen mehrere Hundert Jahre AEG-Erfahrung zusammen.

Seit 16 Jahren gibt es die Pensionärsvereinigung. 128 Mitglieder zählt der Verein aktuell – „mit abnehmender Tendenz“, sagt der Vorsitzende Horst Lücke. Zu Bestzeiten standen bei der AEG am Berliner Platz mehr als 2000 Menschen in Lohn und Brot. Das Schaltgerätewerk prägte Neumünsters Geschichte als Industrie- und Arbeiterstadt ebenso wie die Eisenbahn.

Die Nachricht, dass – wie berichtet – für ihre alte Wirkungsstätte nun ein Käufer gesucht wird, erfüllt die AEG-Rentner mit Wehmut und auch mit etwas Skepsis. „Das Gefühl ist mehr als komisch. Wenn das mal abgerissen wird, schaue ich mir das nicht an“, sagt Lücke.

„Ich habe da gerne gearbeitet“, sagt Else Frommholz, und Bodo Kähler (80) stimmt zu. Der Tungendorfer arbeitete von 1962 bis 1994 als Mechaniker und Ausbildungsmeister der Lehrwerkstatt bei der AEG, war einige Jahre auch im Betriebsrat aktiv. „Die Pleite der AEG 1982 habe ich noch hautnah miterlebt“, sagt Kähler. Erst kam ein Sanierer, dann übernahm Daimler. Die Ära General Electric seit 1995 hat Bodo Kähler nicht mehr miterlebt.

Dass wenigstens ein paar Arbeitsplätze erhalten geblieben sind und jetzt sogar wieder aufgestockt wurde, findet er gut. „Ich bin gespannt, was mit dem alten Gebäude passiert“, sagt Kähler. Die zündende Idee hat Hermann Bargholz beim Bingonachmittag. „Für einen Euro kauft das die Pensionärsvereinigung und macht dann eine Seniorenresidenz für alte AEGler daraus“, sagt er.

Von AEG zu General Electric

1936: Das Gebäude an der Goethestraße wird für den  Rüstungsbetrieb Land und See errichtet. Unter anderem wurden hier Torpedosprengköpfe hergestellt.

 1947: Die AEG-Schaltgerätefabrik übernimmt die Anlage.

 1956: Bezug eines Erweiterungsbaus in Richtung Berliner Platz.

 1957: Als Erinnerung an die Berliner Blockade wird ein Gedenkstein auf dem Platz aufgestellt.

 1960/61: Bau des 80 Meter langen Tunnels unterhalb der Goethestraße.

 1962: Erweiterungsbau im Osten der Goethestraße/Ecke Schillerstraße wird eingeweiht.

1982: Die AEG meldet Insolvenz an.

1985: Die AEG gehört jetzt zur Daimler Benz AG.

1986: Bau der Fußgängerbrücke über die Goethestraße.

1995: General Electric übernimmt die AEG.

2002: Aufgabe des Betriebsteils östlich der Goethestraße.

2007: Abriss von Fußgängerbrücke und Tunnel.

2015: Betriebsverlagerung vom Berliner Platz an die Tungendorfer Straße 10 in den Gewerbe- und Service-Park Nord.


 

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erstellt am 24.Jan.2016 | 09:00 Uhr

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