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Holsteinischer Courier

31. Mai 2016 | 09:46 Uhr

Protest : ADFC-Radler sagen alle Touren ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Ortsgruppe will Rechtssicherheit im Streit um Genehmigungen und Gebühren / Regelungen sind laut Verkehrsministerium nicht neu

Neumünster | Die Ortsgruppe  Neumünster des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat mit sofortiger Wirkung alle weiteren Touren abgesagt. Das teilte der Vorsitzende Uwe Mohns gestern nach einer Sondersitzung der Gruppe am Montagabend mit. Hintergrund ist der Streit um  die in Schleswig-Holstein geltende Genehmigungspflicht für Fahrradtouren auf Landes- und Bundesstraßen (der Courier berichtete). Wer mit einer geführten Fahrradgruppe zumindest teilweise auf diesen Straßen oder grundsätzlich mit mehr als 100 Personen unterwegs ist, muss sich das vorher von der  Verkehrsbehörde genehmigen lassen. In Neumünster kostet diese Bescheinigung 68 Euro.

Betroffen von der Absage sind laut Mohns die noch ausstehenden 20 der insgesamt 50  für dieses Jahr geplanten Veranstaltungen – darunter auch das Feierabendradeln, das heute Abend um 19 Uhr von der Grundschule Wittorf aus stattfinden sollte, die Sonntagstouren und die „Flotten Pedalen“. In der Regel nahmen zwischen 10 und 40 Personen daran teil, eine Genehmigung holte der ADFC nie ein.  „Wir können den Verwaltungsaufwand nicht leisten und die Kosten nicht aufbringen“, sagt Mohns. Die Ortsgruppe erhalte vom Landesverband gerade einmal 150 Euro im Jahr. Von den jeweils 48 Euro Beitrag  der 200 Neumünsteraner Mitglieder profitiere nur der Bundesverband. „Unsere Radtouren sind kostenlos. Nicht-Mitglieder werden lediglich um Spenden gebeten. Und auch die können sich einige nicht leisten“, so Mohns. 

Ein weiterer Aspekt ist die Haftungsfrage bei Unfällen. Stürzt ein Teilnehmer bei einer nicht genehmigten Radtour, zahlt keine Versicherung. „Die Schäden müsste der Tourenleiter aus eigener Tasche zahlen. Da wird der ehrenamtliche Einsatz noch bestraft“, sagt Carsten Pusch, ehemaliger Vorsitzender des ADFC und aktiver Tourenleiter. Deshalb hat er wie alle anderen auch für die Absagen gestimmt. „Wir wollen erst Rechtssicherheit, dann können die Touren sofort wieder starten.“

Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) kann die Aufregung nicht verstehen. „Die Genehmigungspflicht ist nicht neu. Es hat sich an der Rechtslage nichts geändert“, sagt er. Schleswig-Holstein verfahre mit den Vorschriften  wie alle anderen Bundesländer. „Letztlich geht es um die Verkehrssicherheit, damit niemand zu Schaden kommt.“

Das bestätigt Dieter Bock, beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Kiel zuständig für das Straßenverkehrsrecht. „Die Genehmigung ist sinnvoll, weil sich die Tourenleiter dann auf die Gefahren vorbereiten können“, sagt er und betont, dass niemand das Fahrradfahren im Land erschweren wolle.

Udo Wachholz, Chef der Ordnungsbehörde im Rathaus, kennt aus den vergangenen Jahren nur die Tour Courier, die angemeldet wurde. (Diese  startet in diesem Jahr am 24. August um 14.30 Uhr an der Timm-Kröger-Schule in Brachenfeld.) „Es gab bisher nie ein Problem“, sagt er und bietet dem ADFC das Gespräch an.

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erstellt am 23.Jul.2014 | 07:00 Uhr

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