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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 11:45 Uhr

Zukunftspläne : Abitur 2016: Und jetzt erstmal Pause – Oder?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schule ist vorbei, aber was kommt jetzt? Der Courier fragte sechs Einser-Abiturienten nach ihren Zukunftsplänen – und wie sie Schule verbessern würden

Neumünster | Hurra, die Schule ist aus! - Was Hunderte von Schülern zum Start der großen Ferien in der kommenden Woche mit verständlichem Jubel begrüßen werden, löst bei den 1050 jungen Frauen und Männern, die in diesen Tagen ihr Abitur feiern, oft auch gemischte Gefühle aus: Ja, die Schule ist aus – und zwar für immer! Verschworene Klassengemeinschaften, die über Jahre gewachsen sind, lösen sich auf, Freundschaften werden zerbrechen, weil man sich in Zukunft vermutlich nur noch sporadisch sieht. Aber es beginnt auch ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Herausforderungen. Der Courier befragte sechs Einser-Abiturienten aus vier Schulen nach ihren Gefühlen, ihren Erfahrungen mit der Schule und ihren Plänen für die Zukunft.

Jan-Philip Kipcke (19), Janina Ingwersen (19) und Anne Mittelstät (19) wollen neben der Freude übers Abitur erst gar keine melancholischen Töne aufkommen lassen. Alle drei Humboldt-Schüler haben sich fest vorgenommen, ihre Freundschaften zu pflegen, auch wenn sie sich selbst in den nächsten Wochen oder Monaten in alle Welt verstreuen. Jan-Philip und Janina haben sich zudem auch für ihre weitere Lebensplanung bereits festgelegt: Wenn es irgendwie geht, wollen sie im Norden bleiben. „Ich brauche die Küste“, sagt Jan-Philip nüchtern.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, mit einem Notenschnitt von 0,9 (854 Punkte) kann sich Jan-Philip aussuchen, wo er sein Medizinstudium aufnehmen will. Um seinen Berufswunsch Chirurg schnell näher zu kommen, will er noch vor dem Studium ein Pflegepraktikum absolvieren – am liebsten im FEK. Auch Janina (Notenschnitt 1,0) bleibt dem Norden erhalten, nach einer dreiwöchigen Auszeit in Südafrika („Ich glaub’ ich habe mir mehr Stress gemacht als ich musste !“), will sie ihren Job in einer Anwaltskanzlei wieder aufnehmen, bevor sie Kurs auf ihr Psychologie-Studium nimmt – am liebsten in Lübeck.

Anne hat dagegen noch keinen Plan, wie es mit ihr weitergehen soll. Macht nichts! Sie sei schon immer eine Spätzünderin gewesen, sagt die 19-Jährige aus Langwedel. Früher sei ihr das Lernen schwer gefallen. „Erst in der 6. Klasse muss ich dann irgendwie auf den Kopf gefallen sein, von da an lief es prima“, sagt die Einser-Abiturientin selbstironisch. Um etwas von der Welt zu sehen, will Anne jetzt erst einmal auf eine einjährige Work-and-Travel-Weltreise gehen. „Vielleicht verstehe ich danach besser, warum in der Welt so viel schief läuft“, sagt die junge Frau, die sich gut vorstellen kann, mal „irgendetwas mit Entwicklungshilfe“ zu machen.

Auf ihre Humboldt-Schule lassen die Drei nichts kommen: „Da ist ziemlich viel ziemlich gut gelaufen“, fasst Jan-Philip zusammen. Die Schule sei straff, aber stets gut organisiert gewesen, davon hätten auch die Schüler profitiert. „Dennoch hatten wir stets Freiräume für Projekte aller Art“, ergänzt Anne, die sich lange in der Schülervertretung engagiert hat. Kritik gibt’s am Schulsystem: „G8 ist eine Sackgasse“, sind sich die Abiturienten einig. Die Zusammenlegung von G8 und G9 sei überaus schwierig gewesen. „Der Altersunterschied war zu groß, 15- und 19-Jährige denken nicht auf dem gleichen Level.“

Das sieht Janin Schokolowski ganz anders. Die 18-Jährige aus Sarlhusen hat an der Holstenschule in acht Schuljahren ihr Abi gebaut: Sie habe zwar keine Vergleichsmöglichkeiten, aber ihre Schulzeit eigentlich nie als Stress empfunden, sagt sie. Die Abiturientin will ihrem schulischen Schwerpunkt Biologie treu bleiben und jetzt Biochemie studieren, idealerweise, um später als Molekularbiologin in die Forschung zu gehen. „Das würde mich enorm reizen.“ Am Schul- und Bildungssystem stört sie vor allem die strenge Fixierung auf die Noten. Warum einem Abiturienten mit 2,0 etwa ein Medizinstudium verwehrt bleibe, sei kaum einzusehen. „Wieso soll der Einser-Abiturient der bessere Arzt sein?“, fragt die Holstenschülerin, die möglichst noch im Oktober ihr Studium starten will.

Louisa Katharina Breiholz hat es nicht ganz so eilig: Um „wieder herunterzukommen“, „etwas von der Welt zu sehen“ und auch „ein klein wenig, um sich selbst zu finden“, will die 18-jährige Wankendorferin (Notenschnitt 1,0) jetzt erstmal ein Jahr nach Neuseeland gehen. Seit der 11. Klasse jobbt sie dafür bei „Hobby & Co.“, den Rest der Reisekasse will sie unterwegs verdienen. „Für mich ist das auch ein Stück Lebenserfahrung“, sagt die Schülerin, der der Abschied von ihrer Gemeinschaftsschule Brachenfeld nicht ganz leicht fällt: „Besonders in der Oberstufe war der Klassenzusammenhalt super“, sagt Louisa und outet sich dabei auch als Fan der Gemeinschafts- bzw. Gesamtschule. Der Gemeinschaftsunterricht mit Schwächeren und Stärkeren habe ihr nie geschadet, sondern im Gegenteils stets ihr Eigenengagement angestachelt, erklärt sie. „Wenn man so will, habe ich in der Schule das Lernen gelernt.“

Alexander Willy Brandt (19) hat dagegen sein Ziel klar vor Augen. Noch in diesem Herbst will der Einser-Abiturient der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Kiel sein Lehramtsstudium der Mathematik und Anglistik aufnehmen. Läuft alles glatt, steht er in fünf Jahre als Lehrer vor seiner Klasse. Der Anstoß zu seinem Lebensplan liegt bereits einige Jahre zurück. „Bis zur 9. Klasse war ich sehr faul“, sagt Alexander, der erst nach seiner Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten den Weg in die berufliche Oberschule fand. „Erst danach hab ich mehr Ehrgeiz entwickelt – angestoßen durch gute Lehrer.“

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erstellt am 19.Jul.2016 | 08:15 Uhr

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