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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 20:32 Uhr

Ex-Klosterbad : Abbruch-Ruine ist ein gefährlicher Abenteuerspielplatz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit Jahren tut sich nichts auf dem 7700 Quadratmeter großen Areal am Meßtorffweg

Neumünster | Die Stahldrähte der Betonbewehrung sind Stolperfallen, Treppen enden im Nichts, die Kellerräume stehen unter Wasser. Die Ruine des früheren Klosterbades am Meßtorffweg ist nicht nur ein Schandfleck, sondern brandgefährlich. Überall klaffen große Lücken im Bauzaun. Jeder kann ungehindert auf das Grundstück gelangen.

„Das ist sehr gefährlich. Ich sehe jeden Tag hier Kinder und Jugendliche spielen“, sagt Maria Brenda Echin-Baumann, die ganz in der Nähe wohnt. Holger Steffen hat die Stadt schon Anfang August auf die Missstände hingewiesen und über das Onlineportal eine Mängelmeldung erstellt. „Ich habe noch nicht einmal eine Antwort bekommen, und am desolaten Zustand der Bauplatzabsperrung hat sich bis heute nichts geändert“, sagt der Taxiunternehmer.

Engelbert Buchwald, der ehrenamtliche Küster von der Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche an der Klosterstraße 34-36, griff deshalb schon mehrfach zur Selbsthilfe und schob den geöffneten Bauzaun wieder zu. „Das ist ein gefährlicher Abenteuerspielplatz“, sagt auch er. Die Polizei sei schon mehrfach vor Ort gewesen. „In den Kellern wurde offenbar mit Drogen gedealt“, sagt Buchwald.

Ein großes Problem sieht er auch beim Nachbarhaus an der Klosterstraße 32. Der rote Backsteinbau, der einst ebenfalls dem Klosterbad-Eigentümer Konstantin Piontek gehörte, steht leer und macht einen schlechten Eindruck. Teile der Dachverkleidung fielen schon auf den Gehweg herunter. „Da oben ist ein Taubenschlag“, sagt Buchwald: „Es wurde eingebrochen, und es hat schon drei Mal gebrannt, in der Garage waren Farben und Lacke gelagert.“ Ratten fänden ideale Bedingungen auf dem Klosterbadgelände.

Auch für die Stadtteilvorsteherin Antje Klein sind das unhaltbare Zustände. „Von dem Grundstück geht eine Gefahr für die Öffentlichkeit aus. Die Stadt muss reagieren, stellt sich aber tot“, sagt sie. Das sei eine „Schande allererster Güte“. Was sich in den Müllsäcken befinde, wolle sie gar nicht wissen. Bei der Bauaufsicht der Stadt war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

Das fast 7700 Quadratmeter große Gelände des ehemaligen Klosterbads hat eine bewegte Geschichte. 2006 musste der vor Kurzem verstorbene Pächter und langjährige Vorsitzende der Behindertensportgemeinschaft Herbert Pietsch den Betrieb des Klosterbades aufgeben. Die Stadtwerke hatten Strom, Wasser und Fernwärme gesperrt.

Das Bad schloss, das Gebäude stand lange leer. Im September 2011 begann der Abriss, der aber unvollendet blieb. An Wohnungsbauprojekten versuchten sich mehrere Eigentümer oder Investoren wie die inzwischen insolvente Gorgo-Verwaltungsgesellschaft oder der Gütersloher Investor Werner Muntau (der Courier berichtete). Auch die städtische Wobau hatte sich kurzzeitig für das Areal in städtebaulich reizvoller Lage interessiert, dann aber abgewunken, da Geschäftsführer Uwe Honsberg der Kaufpreis zu hoch war. Zuletzt war das Grundstück 2015 über die LBS Immobilien Westküste auf einem Immobilienportal im Internet angeboten worden. Die Preisvorstellung lag bei 1,4 Millionen Euro, das sind umgerechnet 182 Euro pro Quadratmeter.  

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erstellt am 17.Aug.2016 | 08:15 Uhr

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