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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 03:07 Uhr

Arbeitsagentur : 630 Lehrstellen sind noch unbesetzt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Traumberuf und Ausbildungsstellenangebot passen oft nicht zusammen. Handwerk setzt mit Projekt „Kursänderung“ auch auf Studienabbrecher

Neumünster | Die Berufsstarter im neuen Azubi-Jahrgang haben die erste Woche hinter sich. Doch es geht noch ganz viel auf dem Ausbildungsmarkt. Bei der Agentur für Arbeit sind zurzeit noch 630 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das ist ein Drittel der seit Oktober gemeldeten Stellen. Auf der anderen Seite sind noch mehr als 700 junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Das zeigt: Wunschberuf und das Angebot an Ausbildungsstellen passen oft nicht zusammen. Rein rechnerisch haben Schulabgänger beste Chancen, denn es gibt mit 1930 mehr gemeldete Lehrstellen als Bewerber (1890). Die besten Stellen sind schon weg, die besten Bewerber haben ihren Ausbildungsplatz. Der stellvertretende Agenturleiter Jens-Peter Stahl rät deshalb Betrieben, die noch Azubis suchen, nicht nur auf die Schulnoten zu schauen. „Viele Bewerber entpuppen sich erst auf den zweiten Blick als Rohdiamanten mit ungeahnten Talenten“, so Stahl. Jugendlichen rät er, sich zu informieren. Das Berufsinformationszentrum in der alten Holsten-Brauerei hat auch in den Ferien geöffnet.

Der doppelte Abi-Jahrgang mit den G8- und G9-Abgängern hat laut Agentur-Sprecher Tomas Böhmer nicht zum großen Ansturm auf den Ausbildungsmarkt geführt. Hans Joachim Beckers, Ausbildungsexperte der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein, sieht dennoch positive Effekte. „Der Anteil der Ausbildungsverträge mit Abiturienten ist deutlich gestiegen, was wir begrüßen“, sagt Beckers. Abiturienten wüssten oft die Chancen eines Ausbildungsberufs nicht richtig zu würdigen und strebten ein Studium an. Dabei sei die Zahl der Studienabbrecher mit 30 Prozent hoch.

Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck, stößt ins gleiche Horn. „Viele Jugendliche wissen nicht, was sie wollen. Sie beginnen ein Studium, brechen aber später ab“, sagt er. Für diese Studienabbrecher hat die Kammer jetzt das Programm „Kursänderung“ aufgelegt. Dass die Zahl der Handwerks-Lehrverträge in Neumünster mit 160 zurzeit gut 10 Prozent unter dem Vorjahresstand liegt, ist für Grünke nur eine Momentaufnahme. Im gesamten Kammerbezirk seien die Plätze gestiegen.

Das betont auch Hans Joachim Beckers für die IHK-Berufe. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei groß. „Die Konjunktur brummt, und der Arbeitskräftebedarf ist da. Wir haben erst 75 bis 80 Prozent der Verträge im Kasten“, so Beckers. „Das Handwerk weiß um den Fachkräftemangel und bemüht sich stark um Azubis“, sagt Ulf Grünke. Wie schwer das sein kann, bemerkt als Arbeitgeber inzwischen auch die Stadt.„Wir haben in diesem Jahr zwei von 19 Ausbildungsstellen nicht besetzen können“, sagt die Ausbildungsleiterin Katja Gorzolka. Für die Ausbildungsstellen beim TBZ als Gärtner und als Fachkraft für Abwassertechnik gab es keine geeigneten Bewerber.

Freie Plätze - die Top 10

Ende Juli waren bei Neumünsters Agentur für Arbeit noch 630 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das sind die Top 10:

 Kaufmann/-frau im Einzelhandel (68 Ausbildungsstellen)

 Verkäufer/in (48)

 Anlagenmechaniker/-in - Sanitär-/Heizung- Klimatechnik (34)

  Handelsfachwirt/in (27)

  Fachverkäufer/-in - Lebensmittelhandwerk - Bäckerei (19)

 Friseur/in (19)

 Kaufmann/-frau - Büromanagement (18)

 Koch/Köchin (17)

 Fachverkäufer/-in Lebensmittelhandwerk - Fleischerei (17)

 Restaurantfachmann/frau (17)
 

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erstellt am 09.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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