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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 23:00 Uhr

Neumünstrum : 500 Besucher beim Abschlussfest

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Kinderstadt wurde am Sonnabend offiziell geschlossen, bis Ende der Woche soll sie rückgebaut sein. 407 Kinder nahmen teil. In zwei Jahren soll das Projekt wieder stattfinden.

Neumünster | Am Sonnabend wurde noch einmal richtig Umsatz gemacht. „Wer möchte diesen schönen Stoffbeutel, handbemalt? Wir fangen bei 5 Münztern an“, fragte Ulf Schloßbauer auf der Bühne. „10 Münzter“, rief jemand aus der rechten Ecke, „20 Münzter“, schallte es aus der linken Ecke entgegen. Bei 50 Münzter fiel der Hammer, umgerechnet fünf Euro. Die Versteigerung des Inventars war beim Stadtfest am letzten Tag von Neumünstrum der Höhepunkt. Die rund 500 Besucher auf dem Gelände an der Werderstraße, darunter sehr viele ehemalige Bewohner mit ihren Familien, zeigten sich in Kauflaune und bezahlten in der eigenen Stadtwährung.

Besonders beliebt waren die in der Tischlerei hergestellten Sonnenstühle. Beim Modell mit dem Pokémon Pikachu entflammte ein regelrechter Bieterwettstreit. Schließlich machte Susanne Vogt aus Latendorf das Rennen für 700 Münzter, umgerechnet 70 Euro. „Mein Sohn Niklas hat den Stuhl gefertigt, deshalb wollte ich ihn unbedingt kaufen und habe schnell noch 20 Euro gewechselt“, erklärte die stolze Mutter. Ebenfalls ein selbst hergestelltes Deko-Element holte sich Sebastian Keuchel aus Einfeld für 30 Münzter. „Das ist für meine Familie“, meinte der Neunjährige und fügte gleich an: „Neumünstrum war echt toll.“ Dem stimmte auch Lars Bülck (9) aus der Innenstadt zu, während er sich ein Stück Puffer vom Kuchenbuffet abholte. Vater Torsten berichtete lachend: „Mein Sohn war abends immer sehr gesprächig und dann sehr müde. Er will unbedingt beim nächsten Mal wieder mitmachen.“

„Wir streben an, in zwei Jahren wieder ein Neumünstrum aufzubauen und dann in diesem Rhythmus durch die Stadtteile zu ziehen, so dass die Kinderstadt immer wieder ein neues Gesicht bekommt“, so Hauptorganisator Ulf Schloßbauer. Seine Bilanz fiel sehr positiv aus. 407 Kinder haben in den vergangenen zwei Wochen teilgenommen, 41 ehrenamtliche und eine handvoll hauptberufliche Betreuer kümmerten sich im Hintergrund um sie. Sie standen bei Fragen zur Verfügung, doch das Leben in der Stadt organisierten die 8- bis 14-Jährigen selbst. Sie protestierten gegen die Bürgermeister, zwangen einen sogar zum Rücktritt. Sie organisierten eine Wasserschlacht, bauten eine Bahnlinie, setzten im Rathaus Steuern fest oder machten sich selbstständig. Rund 50  000 Münzter waren laut Schloßbauer in den zwei Wochen im Umlauf, also umgerechnet 5000 Euro. Bei einem Stundenlohn von acht bis zwölf Münztern eine große Summe. Jeden Tag erschien mit dem Neumünstrum Boten eine Tageszeitung, jeden Tag gab es ein Musical. Zwischen 50 und 60 Erwachsene ließen sich pro Tag vom Elterngarten aus von Stadtführern über das 1,5 Hektar große Gelände führen. Knapp 30 Sponsoren ermöglichten mit Geld und Sachspenden das Projekt. „An sie geht ein großes Dankeschön. Dadurch und durch die Teilnahmegebühr von 56 Euro pro Woche sowie durch die Versteigerung ging die Kostenkalkulation auf“, sagte Ulf Schloßbauer. Unterstützung gab es auch von Verwaltung und Politik. Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger und Stadtrat Oliver Dörflinger lobten Neumünstrum ebenso wie die SPD: „Dies ist ein gutes Projekt, um Demokratie zu lernen und zu leben“, so Fraktionschef Volker Andresen.

Am Sonnabend präsentieren sich noch mal alle Geschäfte und Einrichtungen der Kinderstadt mit Aktionen, einer Tombola und Verkäufen. Bei Sonnenschein zeigten Kinder und Jugendliche ihren Eltern, wo sie gearbeitet und gelebt haben. So wie Fabian Schurmann (13) aus Ruthenberg. Er führte Vater Gunther, Mutter Carmen und Oma Erdmute auch das Gefängnis vor, an dem er als Bauunternehmer selbst gewerkelt hatte. „Einfach toll“, sagte Gunther Schurmann.


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erstellt am 08.Aug.2016 | 10:00 Uhr

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