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Holsteinischer Courier

29. März 2017 | 15:18 Uhr

Aukrug : 400 Menschen gingen auf die Straße

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Demonstration gegen die AFD. Mindestens 100 Polizisten waren im Einsatz.

Aukrug | Großer Aufruhr im kleinen Aukrug: Rund 400 Demonstranten und Zaungäste versammelten sich gestern Abend rund um die Gastätte Tivoli, um lautstark gegen die dort stattfindende Veranstaltung der AFD zu protestieren. Gleichzeitig waren rund 100 Polizisten im Einsatz, die das Gelände direkt vor dem Haus abgesperrt hatten. Die Stimmung unter den Gegnern blieb bis auf wenige Ausnahmen bis zum Redaktionsschluss friedlich. Lediglich eine kleine Gruppe wurde am Einlass für die Besucher so auffällig, dass sie einen Platzverweis durch die Polizei kassierte. Auch auf dem Bahnhof in Neumünster zeigte die Polizei starke Präsenz.

Nach einer Absage aus Kiel war die Wahlkampfveranstaltung mit der AFD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry kurzfristig ins Aukruger Tivoli verlegt worden. Unter den Aukruger Teilnehmern war schon eine gewisse Spannung zu spüren. „Es ist erschreckend und merkwürdig, dass sich eine solche Partei in so ein Nest verirrt. Und natürlich müssen wir dazu Stellung beziehen“, erklärte Torben Halft.

Bereits in der Nacht zu gestern hatte ein Unbekannter den Eingang der Gaststätte beschmiert. „FCK AFD“ steht nun in großen lila Buchstaben auf der Doppeltür. „Das war um 23.57 Uhr, eine Kamera hat die Tat aufgezeichnet“, sagte „Tivoli“-Wirt Sven Lohse gestern. Er erhielt seit Mittwoch massive anonyme Drohungen, weil er der Versammlung in seiner Gaststätte zugestimmt hatte. Seine Meinung: Jede Partei, die nicht verboten ist, muss ihr Versammlungsrecht ausüben dürfen. Gestern nahmen die Drohungen ihm zufolge ab. „In den vergangenen 24 Stunden habe ich meinen Glauben an die Menschheit zurückgewonnen“, denn er habe so viele Solidaritätsbekundungen erhalten, dass er sie kaum zählen könne. Keine der E-Mails und Anrufe sei anonym gewesen, alle Sympathisanten bekennen sich ihm zufolge offen dazu – im Gegensatz zu den Kritikern. Deren Vorgehen bezeichnete AFD-Sprecher Volker Schnurrbusch als „beschämend“. Das Sicherheitskonzept mit sechs Saal-Ordnern und zwei zusätzlichen Personenschützern für Frauke Petry sei vollkommen ausreichend. 200 Besucher hatten sich zu der AFD-Veranstaltung angemeldet.

Die Nachricht, dass die AFD mit Frauke Petry ins „Tivoli“ kommt, hatte die Bewohner Aukrugs bereits Mitte der Woche aufgeschreckt. „Das ganze Dorf ist in Aufruhr“, sagte etwa Beate Pomplun gestern unserer Zeitung. Ihr gehört der Blumenladen gegenüber des Veranstaltungsortes. Sie sorgte sich vor allem, dass die Dekoration vor ihrem Geschäft während der Proteste linksradikaler Gruppen zu Bruch gehen könnte. Regale und große Kübel mit Koniferen habe sie vorsorglich weggeräumt. „Man kann diese Menschen einfach nicht einschätzen“, so Pomplun über die Anhänger der Kieler „Antifa“. Deshalb schloss sie ihr Geschäft gestern früher als sonst. Normalerweise ist es bis 18 Uhr geöffnet. Sie halte es zwar auch für richtig, dass das Versammlungsrecht eingehalten wird, doch der Rattenschwanz mit Demonstrationen und Polizei sei für das kleine Dorf Aukrug zu lang, meinte die Geschäftsfrau.

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