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SPD Neumünster : 150 Jahre und kein bisschen angestaubt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Drei langjährige Genossen erzählen, wie sie den Weg in die Partei fanden. Am 17. März wird der Geburtstag groß gefeiert.

Neumünster | Klar, die Kirche und die Gilden sind älter. Auch der MTSV Olympia von 1859 und die Sterbekasse von 1866, aber dann kommt auch schon bald die SPD. Vor genau 150 Jahren, am 11. März 1867,  gründeten neun Arbeiter und Handwerker im Lokal von Casper Lütje am Kleinflecken einen Ortsableger des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Er war die Keimzelle der SPD.

„Die Gründungsurkunde von 1867 liegt heute bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Neumünster ist nach Kiel und Lübeck die dritte Gründung im Norden gewesen“, sagt Volker Andresen (71). Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion ist seit 47 Jahren Sozialdemokrat und gehört  mit der früheren Stadtpräsidentin Helga Hein (78)  und Antje Klein (74) zu den SPD-Urgesteinen in Neumünster. Beide Frauen haben seit 45 Jahren das SPD-Parteibuch.

„Ich bin 1972 am Tag des Misstrauensvotums gegen Willy Brandt in die SPD eingetreten“, sagt Antje Klein. Auch für Helga Hein war Brandts Slogan „Mehr Demokratie wagen“ und die „Stern“-Geschichte „Ich habe abgetrieben“ der Antrieb, in die Partei einzutreten.  „Wenn man damals im roten Tungendorf aufgewachsen ist, gab es gar nichts anderes als die SPD. Meine Nachbarn  Adi und Helmut Loose haben mich gefragt: ‚Wann trittst du endlich ein?‘“,  sagt Volker Andresen.

Die wechselvolle Geschichte der SPD  durch Kaiserreich,  Weimarer Republik, Verbot und Verfolgung in der NS-Zeit  bis in die Bundesrepublik haben nur wenige alte Quellen überstanden. Zu den älteren Zeugnissen gehören da schon Fahnen der Ortsvereine Faldera und Süd aus der Nachkriegszeit. „Die haben schon Mottenlöcher“, sagt Andresen.

Angestaubt sehen die drei  Kommunalpolitiker ihre SPD aber  ganz und gar nicht. Die SPD sieht sich im Umbruch und Aufwind. Ein Plakat mit dem Porträt von Martin Schulz hängt im Fenster des Parteibüros am Großflecken.  Dass es noch von der EU-Wahl 2015 stammt – was soll’s. „Auch wir merken den Schulz-Effekt“, sagt Andresen. Innerhalb von vier Wochen gab es zwölf Neueintritte. Die SPD hat zurzeit gut 400 Mitglieder in Neumünster. Andresen: „Jetzt kommen auch Jüngere, und es gibt  viele Wiedereintritte. Durch die Agenda 2010 sind uns viele Mitglieder abhanden gekommen.“ Helga Hein: „Es macht wieder Spaß, Wahlkampf zu machen.“ Antje Klein: „Wir haben wieder Chancen.“

Martin Schulz kommt, Sigmar Gabriel geht als Parteichef. Seinen letzten Auftritt als SPD-Bundesvorsitzender hat Gabriel am kommenden Freitag, 17. März, beim Festakt „150 Jahre SPD in Neumünster“ im Holstenhallen-Foyer. Gabriel wird dort vor etwa 250 Gästen die Festrede halten. Die Zusage kam im Sommer 2016. Andresen: „Diesen Termin hat er sich nicht nehmen lassen. Darauf sind wir schon stolz.“

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erstellt am 11.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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