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Prozess in Itzehoe : Versuchter Doppelmord: „Ein ehrlicher Faustkampf sollte es werden“

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Ein junger Mann ertappt seine Ex-Freundin halbnackt mit ihrem „Neuen“ im Gebüsch. Jetzt sitzt er wegen versuchten Doppelmord vor Gericht.

Itzehoe/Glückstadt | „Ich weiß, dass meine Tat nicht wirklich entschuldbar ist“, erklärte der Angeklagte. „Ich wollte niemanden töten.“ Doch die Situation sei letztendlich an dem Abend aus dem Ruder gelaufen - mit einem Geständnis hat am Donnerstag der Prozess um einen versuchten Doppelmord vor dem Landgericht Itzehoe begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem zur Tatzeit 23 Jahre alten Mann vor, im Oktober 2016 seine Ex-Freundin (21) und ihren neuen Freund (20) aus Eifersucht niedergestochen zu haben. Beide Opfer wurden mit lebensgefährlichen Stichverletzungen in Krankenhäuser gebracht. Sie überlebten nur dank Notoperationen.

„Sie waren getrennt, und er kam damit nicht klar“, erklärte der 20-jährige neue Freund das Motiv für die Bluttat. Er selber habe per SMS Drohungen erhalten, er solle sich von der jungen Frau fernhalten, sagte er als Zeuge vor Gericht: Der Angeklagte „sah sie quasi als seinen Besitz an.“ Dabei hatte sich die junge Frau eineinhalb Wochen vor der heimtückischen Attacke von dem Angeklagten getrennt, nachdem er sie - wieder einmal - übel zusammengeschlagen hatte, wie die 21-Jährige vor Gericht sagte.

Der Angeklagte ließ jedoch den Angaben zufolge nicht von seiner Ex-Freundin ab. In der Nacht zum 22. September erwischte er sie und ihren neuen Freund in einem Gebüsch „in flagranti“. Sie habe ihn hinter sich rufen hören: „Na, ihr beiden“, als sie „etwas wie einen Schlag auf die Nase“ gespürt habe. Erst viel später habe sie registriert, dass sie von einem Messer getroffen wurde. Insgesamt sechs Stiche in Kopf, Rücken und Brust zählten die Ärzte später bei ihr. Auch ihre Lunge wurde durchlöchert.

„Lauf!“ habe ihr neuer Freund ihr damals zugerufen, während er selber von dem Angeklagten angegriffen wurde. Auch er wurde mehrfach in Kopf und Brust getroffen, wurde am Herz verletzt und verlor zwei Liter Blut. Er musste zweimal reanimiert werden, wie der Staatsanwalt sagte. Bei der letzten Attacke zerbrach sogar die Klinge - Ärzte holten die Messerspitze in einer Not-Operation aus dem Schädel des jungen Mannes.

Der Angeklagte bezeichnete sich selber als einen friedliebenden Menschen. Er habe die Sache mit seiner Freundin „unter Männern klären“ wollen, ein ehrlicher Faustkampf sollte es werden, erklärte er. Weil er befürchtete, sein Opfer würde eine Schusswaffe ziehen, habe er mit dem Messer auf ihn eingestochen. Dieses habe er lediglich zur Selbstverteidigung in der Tasche.

Letztendlich habe die Klinge nur versehentlich seine Ex-Freundin getroffen. Weil sie sich dazwischen gestellt habe, ließ er über seinen Rechtsanwalt erklären. Er habe nicht bemerkt, dass er die junge Frau verletzt habe, hieß es in seinem Geständnis. Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 16:25 Uhr

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