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Glückstädter Fortuna

05. Dezember 2016 | 15:43 Uhr

G8 oder G9 : Rekord-Abitur mit 164 Schülern

vom

Direktor Hartmut Appel spricht sich deutlich für Ausbildung in acht Jahren aus – Abgangsschüler berichten.

Glückstadt 164 Schüler schreiben am Detlefsengymnasium ab morgen ihre Klausuren. Was  die Abiturienten unterscheidet: 66  von ihnen sind neun Jahre  lang auf dem Gymnasium,   72 nur acht Jahre. Nach der Umstellung auf das „Turbo-Abi“ (G8) im Jahr 2008 machen 2016 in Schleswig-Holstein zwei Jahrgänge gleichzeitig ihren Abschluss.  Für Direktor Hartmut Appel steht G8 „völlig außer Frage“. Kein Mensch sei mit G9 zufrieden gewesen. Für das aktuelle Modell stellt er klar: „Kein Schüler arbeitet sich tot.“

Schüler aus dem Abiturjahrgang haben unterschiedliche Meinungen dazu. John Reimers (18) macht nach acht Jahren Gymnasium sein Abitur. Als er in der Oberstufe in das naturwissenschaftliche Profil  kam, stellte er fest: „Die anderen waren im Profil-Fach Mathematik weiter. Sie brauchten nicht so hektisch lernen wie wir.“ Und der Altersunterschied von  bis zu drei Jahren in der Klasse machte ihm  zu schaffen. Dies hätte sich auf den Klassenzusammenhalt ausgewirkt. „Ich war mit der Jüngste. Jetzt ist es okay.“ Seine Zukunft kennt er schon: Nach dem Abitur will er Bankkaufmann lernen.

Rieke Gripp (19) gehört zum G9-Jahrgang. „Ich habe im Sprachprofil deutliche Unterschiede gemerkt.“ Aufgefallen sei ihr, dass sich die Schüler aus dem G8-Jahrgang anfangs nicht trauten, sich zu melden. „Sie hatten das Gefühl, die G9-Schüler sind besser.“ Mittlerweile seien aber alle auf einem Stand. „Aber der Unterschied war deutlich zu merken.“ Eine Mitschülerin sei erst 17 und mache jetzt Abitur. „Sie kann  sich nicht einmal alleine an der Uni einschreiben.“  Weil Rieke Gripp im Landesschülerparlament ist, weiß sie von der Bildungsministerin: „Es wird sich an G8 nichts ändern.“ Ihre Pläne für die Zukunft: Erst einmal geht sie nach Bolivien, um in einem Jugendzentrum im Armenviertel zu helfen. Später will sie Soziale Arbeit oder etwas ähnliches studieren.

Florian Mein (18) hat   kein Problem mit G8. „Ich bin gut klargekommen. Ich musste aber auch bis zur Oberstufe nie viel lernen. Und bis dahin hatte ich  auch nicht  das Gefühl, dass mir etwas fehlte.“ Lernen habe ihm immer viel Spaß gemacht. Deshalb will er nach dem Abitur auch „keine Pause“ einlegen, sondern gleich studieren. Der 18-Jährige möchte Gymnasiallehrer werden  und dafür  Biologie sowie Informatik studieren.

Mathes Rausch (19) gehört zu den herausragenden Mathematik-Schülern des Detlefsengymnasiums und war bei  Mathe-Olympiaden dabei. Zurzeit ist er Schülersprecher und engagiert sich in der Landesschülervertretung.   Dem G9 schreibt er es auch zu, dass er Zeit für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten hat.  Den Vergleich hat er zu seiner kleinen Schwester, die auch das Gymnasium besucht: „Sie hat viel mehr Unterricht, sie muss viel mehr machen.“ 

Er selber sei  gerne zur Schule gegangen. Es habe immer viel Spaß gemacht. „Ich bin sehr ehrgeizig.“  G9 entlaste den Schulalltag, er habe dadurch mehr Motivation gehabt. 

Nach dem Abitur will Mathes Rausch für ein Jahr nach Ecuador gehen, um als Englischlehrer zu arbeiten – im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. Weil er bereits ein Jahr als Austauschschüler in der USA war, kann er sich vorstellen, später  im Ausland in Richtung Ingenieurswesen zu studieren. Sein Abitur macht er  im Profilfach Physik.

Bjarne Roß (18) kommt aus dem G9-Jahrgang. „G8 ist zu stressig.“ Das Tempo sei  zu zügig. Deshalb geht sein Votum deutlich zu der Form, die er besucht hat. Der 18-Jährige will nach dem Abitur Informatik studieren.

Die Schüler, die in Glückstadt am kreiseigenen Gymnasium ihr Abitur machen, sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. Sie kommen aus der Elbestadt, aus Krempe,  und vielen umliegende Dörfern. 14 der Abiturienten sind „Quereinsteiger“ – sie kommen von Realschulen.

Im G9-Jahrgang, der 2007 als Sextaner an die Schule kam, gab es im Ursprung 92 angemeldete Schüler. 96 waren es beim G8-Jahrgang ein Jahr später.  „Einige von ihnen haben Fachabitur gemacht, andere sind weggezogen“, sagt Direktor Appel. Und es kamen wieder welche dazu.

Seitdem Hartmut Appel Direktor des Detlefsengymnasiums ist, gibt es eine Kooperation mit den Gemeinschaftsschulen Glückstadt und Wilster. Viele Schüler mit mittlerer Reife sind in den vergangenen Jahren zum Detlefsengymnasium gewechselt und haben dort ihr Abitur gemacht. Auch für das kommende Jahr gibt es 30 Anmeldungen. Wobei sich Hartmut Appel nicht sicher ist, ob alle kommen. Denn das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) in Itzehoe bietet auch die Möglichkeit des Abiturs. „Am RBZ ist es deutlich leichter“, sagt Appel, warum sich einige dort hin orientieren. „Das Abitur ist nicht vergleichbar“, sagt er zur Ausbildung an seiner Schule. Überhaupt sei es bundesweit nicht vergleichbar. „Deshalb sprechen die Universitäten auch nur noch von der Hochschulzugangsberechtigung.“

Schleswig-Holstein sei jetzt das letzte Bundesland, welches einen Doppeljahrgang „abarbeitet“. Ob G9 oder G8, für ihn ist es kein Unterschied. „Die Schüler  haben Zeit nebenbei zu kellnern und Sport zu treiben.“ Die Unterschiede der Schulen liegen eher in dem Angebot der Profile.  Das Detlefsengymnasium könne im Vergleich zu anderen Schulen ein breites Angebot machen.  „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Appel über seine Schule. „Die Schüler werden von Profis betreut.“ Christine Reimers

 

 

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