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Zurück zu den Wurzeln: Lieder zum Schuljubiläum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kammersängerin Dorothea Röschmann erinnert sich an alte Zeiten – und freut sich auf ihr Konzert im Theater

Wenn Dorothea Röschmann heute Nachmittag in der Aula ihrer alten Schule probt, erinnert sie sich vermutlich an ihr Abitur. „Da war ich wohl das letzte Mal in der Aula“, sinnierte sie gestern im Gespräch mit dem Tageblatt. In diesem Jahr wird das Alte Gymnasium 450 Jahre alt, und als Höhepunkt der zahlreichen musikalischen Festivitäten zu diesem Anlass gastiert die gefeierte Operndiva und frisch gekürte Berliner Kammersängerin morgen um 16 Uhr im Stadttheater (Restkarten).

Ganz klar: Das ist für sie kein Konzert wie jedes andere. „Die Leute im Publikum kennen einen ja richtig lange! Da ist man dann schon wahnsinnig aufgeregt.“ Im Unterschied zu einer Opernaufführung gebe es bei einem Liederabend den direkten Austausch mit dem Publikum. „Man kennt die Atmosphäre und spürt, wann man das Publikum hat. Ich liebe Liederabende, die haben etwas ganz Beglückendes. Da lernt man auch sehr viel über sich selbst.“ Dann schwärmt sie über die ganz besondere Atmosphäre und Akustik in der Wigmore Hall in London, in der sie schon gesungen hat. Und dann dieses Liederkonzert mit Mitsuko Uchida, der japanischen Starpianistin, in der großen Carnegie Hall in New York vor Kurzem! Da schwingt schon etwas Stolz mit, wenn Dorothea Röschmann von diesem Highlight berichtet.

Wenn sie in Flensburg auftritt – wie zuletzt beim Meisterkonzert im Januar 2013 –, gehören Familienbesuche stets zum Pflichtprogramm. So wohnt sie an diesem Wochenende bei ihrem Vater auf der Westlichen Höhe, und von da ist es nur ein paar Pedaltritte in die Marienhölzung. „Ich bin praktisch auf dem Fahrrad aufgewachsen, wir hatten ja kein Auto“, erinnert sie sich. Und so radelt die Röschmann, wann es immer es passt, durch die Hölzung.

Im Juli war sie eine ganze Woche in Flensburg, da musste sie sich von einem Gastspiel in München erholen, wo sie Donna Elvira in Don Giovanni war. Sie wohnte in einem Appartmenthaus in der Nähe der Oper, als sie am Vorabend der ersten Aufführung plötzlich Hubschrauberlärm wahrnahm und sah, dass sehr viele Menschen in das Haus strömten. Zunächst dachte sie an eine Party, doch dann erfuhr sie von dem Attentat in dem Einkaufszentrum. Fortan lag „so ein Panikgefühl“ in der Luft, sie fand erst spät Schlaf in dieser Nacht, eine Absage der Konzerte in der Luft, doch dann kam die Nachricht: Die Aufführungen finden statt. Nikolaus Bachler, der Intendant, habe eine Ansprache gehalten, das Haus war voll, niemand ist zu Hause geblieben. „Und das war gut so“, sagt Dorothea Röschmann. „Da konnte man erleben, dass Musik auch heilsam sein kann.“

Im Flensburger Bach-Chor hat sie einst alle Altersstufen vom Kinderchor über die Jugend-Kantorei bis zum Erwachsenenchor durchlaufen. Da sang sie dann mit Vater (Tenor), Mutter (Alt) und Schwester (Sopran) zusammen. Die Choräle des Weihnachtsoratoriums, Carmina Burana im Deutschen Haus, „da habe ich das erste Mal so richtig im Orchesterklang gebadet“. Das Singen im Chor prägt sie heute, „ich kann das ganze Repertoire noch auswendig“, und wenn sie für Oratorien engagiert ist, möchte sie am liebsten im Chor stehen und alles mitsingen.

Und jetzt ist sie Berliner Kammersängerin, eine von wenigen. Das musste immerhin vom Senat beschlossen werden, und es gab eine feierliche Ernennung in der Staatsoper im Schiller-Theater.

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erstellt am 03.Sep.2016 | 12:10 Uhr

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