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Flensburger Tageblatt

02. September 2014 | 23:15 Uhr

Wahl im Kreis Schleswig-Flensburg : Zu Fuß zwölf Kilometer bis zur Wahlurne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Niesgrau im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es kein Wahllokal mehr. 498 Wahlberechtigte machten einen Ausflug zur Bundestagswahl - an die Ostseeküste.

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Der Weg zur Wahl kann auch in kleinen Landgemeinden immer länger werden. In der Gemeinde Niesgrau ist das seit vielen Jahrzehnten bewährte Wahllokal verschwunden: Inken Marcussen und ihre Eltern Karl-Wilhelm und Helga schlossen mit Ende Mai dieses Jahres ihren traditionellen Landgasthof aus wirtschaftlichen Gründen. Ein Nachfolger ist nicht in Sichtweite.

So blieb gestern den 498 Wahlberechtigten aus Niesgrau und seinen Ortsteilen Stausmark, Stobdrup und Koppelheck nichts anderes übrig, als an der Ostseeküste im Ausflugslokal und Hotel „Fährcafe“ in Bonsberg unweit des Sportboothafens von Gelting-Mole ihre Stimmen abzugeben.

Bürgermeister Thomas Johannsen, seines Zeichens auch Vorsteher des Amtes Geltinger Bucht, stand dem örtlichen Wahlgremium vor und pflegte den Small Talk mit den Wählern. „Manche von ihnen sehe ich nur an den Wahltagen“, bemerkte er. In Niesgrau ist es üblich, dass alle elf Mandatsträger am Wahltag „sitzen müssen“.

„Es ist jammerschade, dass es die Niesgrauer Gastwirtschaft nicht mehr gibt“, erklärte Grafikerin Claudia Schaper. Und ihr Ehemann, der Tonmeister Martin Hildebrand, ergänzte: „Es fehlt jetzt im Hauptdorf ein kultureller Mittelpunkt, eine Stätte der Identifikation.“ Den sechs Kilometer langen Weg haben sie nach Bonsberg mit dem Auto zurückgelegt. Nein, sagen sie, Probleme mit dem abgelegenen neuen Wahllokal hätten sie nicht.

Die längste „Anreise“ von sieben Kilometern hatten zwei Freunde aus Stausmark: Jan-Peter Tramm und Max Jürgensen steckten ihre ausgefüllten Wahlzettel gemeinsam in den Schlitz. Thomas Johannsen unterstrich, dass die älteren Wähler von ihren Familienangehörigen in deren Privatautos zur Stimmabgabe transportiert wurden. 104 Wahlberechtigte sind in der Ostangelner Gemeinde über 70 Jahre alt. Das Urgestein Heinrich Asmussen, mit 102 Lenzen der älteste Einwohner im Amtsgebiet, hat durch die Verlegung des Wahllokals einen besonderen Vorteil gewonnen: Er wohnt nur 200 Meter vom Fährcafe entfernt.

Die meisten Niesgrauer Wähler – unter ihnen ein Bonsberger Stammtisch – nutzten den Urnengang zugleich für eine Kaffeetafel und einen Spaziergang an der sonnigen Küste. Ob allerdings bei den 96 Briefwählern die umständliche Anfahrt ein Grund für ihre Abstinenz vom Wahllokal eine Rolle spielte, blieb eine offene Frage. Das bürgermeisterliche Lob galt vor allem zwei sportlichen Wählern: Dieter und Birgit Ruf hatten sich auf Schusters Rappen von Niesgrau aus nach Bonsberg aufgemacht, ihre Kreuze auf dem Stimmzettel gemacht und dann den Rückweg angetreten – zwölf Kilometer insgesamt. Da kann sich jeder Nichtwähler eine Scheibe abschneiden.

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von iol
erstellt am 23.Sep.2013 | 10:27 Uhr

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