zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

26. Juni 2016 | 19:20 Uhr

„City-Wache“ in Flensburg : Zivile Bürgerwehr macht mobil

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die „City-Wache“ will nachts durch dunkle Straßen in Flensburg patrouillieren. Die Polizei warnt: Amateure, die Sicherheit verbreiten wollen, leben gefährlich.

Flensburg | Es sind bewegte Zeiten. Die Leute fühlen sich bedroht, kaufen Pfefferspray, Schreckschusspistolen und gründen Bürgerwehren gegen Gefahren aller Art. Seit letzter Woche hat Flensburg auch eine. Die heißt City-Wache und wollte eigentlich schon am Wochenende zur ersten Patrouille ausgerückt sein, hat es dann aber erstmal doch nicht gemacht. Nichtsdestotrotz: Auf Facebook lädt der Gründer Patrick Werner Scharpenberg zum Mitmachen ein, die Gruppe hat immerhin 169 Mitglieder. Die Polizei ist – anders als Scharpenberg behauptet– über die zivile Einmischung nicht so erfreut.

Das Gute vorweg: Die City-Wache lässt durch nichts erkennen, dass sie womöglich nur mit einem eingeschränkten Gesichtsfeld durch Flensburgs Straßen zieht. Sie gibt sich hautfarbenneutral, überkonfessionell, wirkt de-eskalierend, ist unpolitisch. Scharpenberg möchte in der Gruppe regelmäßig Rundgänge absolvieren, die wohl das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung steigern sollen. „Jede Form der Gewalt wird abgelehnt, es wird gewaltloser Opferschutz betrieben, und im Falle eines Zwischenfalles werden Beweise festgehalten“, schreibt er auf der Facebook-Seite von City-Wache Flensburg. Auch Waffen werden nicht mitgeführt. Die Standardausrüstung besteht aus Taschenlampe und Handschuhen (Leder); ein Aufnäher mit Schriftzug „Stadtwache“ ist optional, schreibt Scharpenberg. Waffen sind verboten, und etwa mitgeführtes Pfefferspray darf wirklich nur zur Notwehr eingesetzt werden.

Am 15. Januar hat er die Gründung ins soziale Netz gestellt. Zu den ersten, die sich für den privaten Sicherheitsdienst interessierten, gehörte die Flensburger Polizei. Am 22. Januar meldet der Wachthabende bei Facebook, er habe gerade Besuch von den Uniformierten gehabt, die sich die Facebook-Seite gemeinsam mit ihm angeschaut, seinen Standpunkt angehört hätten und die Aktion City-Wache im übrigen toll fänden. „Sie haben mir grünes Licht gegeben“, freut er sich, „wir sind ab jetzt offiziell!“

Wenn das mal stimmt. Flensburgs Polizeisprecherin Franziska Jurga bestätigt zwar, dass sich die Kollegen die Konkurrenz angeschaut hätten, zur offiziellen Bürgerwehr sei die Mannschaft aber keinesfalls ernannt worden. Jurga sieht diese Art von Engagement eher skeptisch. Für die Gewährleistung von Sicherheit seien nun mal Polizistinnen und Polizisten ausgebildet. Wenn Amateure zu Werke gehen, drohe Eigengefährdung. „Schlimmstenfalls geraten solche Leute in eine Situation, die sie nicht kontrollieren können, und sie finden sich selbst als Beschuldigte in einem Verfahren wieder. Man kann auch durch unbedachtes Agieren Ermittlungen der Polizei stören.“ Jurgas Position hinsichtlich der Sinnhaftigkeit von Bürgerwehren ist ziemlich klar: Überflüssig. Alle Erfahrung bundesweit lehre, dass solche Hilfstruppen nur zusätzliche Arbeit machen. Verhindern lässt sich zweifellos gut gemeintes Sicherheitsengagement nicht. Wer mitgeht, so Jurga, soll sich keinen Illusionen hingeben: Die City-Wache ist keine Polizeistation, sondern rechtlich gesehen eine „mobile Versammlung“, die nach dem Jedermannrecht Missetäter festhalten kann, bis die Polizei kommt. Und schon das kann brandgefährlich sein.

 

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen