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Flensburger Tageblatt

31. Juli 2016 | 07:25 Uhr

Stadtplanung in Flensburg : Wohnungsbau auf der Überholspur

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Architekten Asmussen & Partner entwickeln für den SBV ein modulares Mehrfamilienhaus für schnelleres und preisgünstigeres Bauen

Der Tausendsassa, der in Flensburg den Wohnungsbau revolutionieren soll, hat noch keinen Namen. Aber er hat schon ein Gesicht. Im Auftrag des Selbsthilfe-Bauvereins (SBV) entwickelte der Flensburger Architekt Volker Dücker von Asmussen & Partner ein Mehrfamilienhaus in modularer Bauweise, das den sozialen Wohnungsbau auf die Überholspur bringen dürfte. Da gehört er nach Ansicht von SBV-Geschäftsführer Raimund Dankowski auch hin. Der SBV will mit dem Typ modulares Projekthaus in Flensburg einige hundert Wohnungen schaffen. Und zwar deutlich schneller und auch günstiger als je zuvor.

Diese Prämisse war Ausgangspunkt einer Projektplanung, die Volker Dücker als ausgesprochen spannend bezeichnet. Der Architekt entwickelte 15 mal 15 Meter messende Module für den Etagenbau, die sich in vier Wohnungsgrößen zwischen 50 und 85 Quadratmetern vielfältig kombinieren lassen. Es gibt fünf Haustypen mit unterschiedlicher Standard-Ausrüstung, die von Variante A (kein Aufzug, Laubengang als Treppenhaus, keine Balkone, kein Außenschuppen etc. bis zur sehr komfortabel ausgestatteten Variante E bei Bedarf jederzeit aufgerüstet werden können. Wobei die Standard-Variante etwa 20 Prozent günstiger ist als die Komfortvariante. Weil zentrale Versorgungsräume – Treppenhäuser, Anschlussräume – standardisiert angeordnet sind, ergeben sich, so Dücker, „unendlich viele Spielmöglichkeiten“ bei der Zusammenstellung des Gebäudes. Obwohl die Statik bis zu acht Geschosse erlaubt, sehen Dankowski und Dücker bei vier Etagen das Maximum als erreicht an. Den Herstellungspreis per Quadratmeter bezifferten Dankowski und Dücker von 2000 bis 2400 Euro, die Nettokaltmiete dürfte (ungefördert) zwischen 6,50 und 10 Euro liegen. Das Land habe die Förderfähigkeit bereits zugesagt, die Flensburger Stadtplanung habe keine Einwände gegen den Entwurf vorgebracht. Wobei Dankowski und Dücker klar ist, dass ihr Musterhaus wohl ohne den grundsätzlichen Segen der Flensburger Politik nicht in großen Stückzahlen gebaut werden kann.

Und eben darin liegt das große Einsparpotenzial. Statische und andere technische Berechnungen müssten für die modularen Gebäude nur einmal eingereicht und genehmigt werden – was Zeit und Kosten spart. „Aktuell vergehen von der ersten Idee bis zum Spatenstich in Flensburg mindestens drei Jahre“, sagt Dankowski.

Mit dem Musterhaus soll es deutlich schneller gehen. Der SBV geht von maximal einem Jahr für die bezugsfertige Erstellung des neuen modularen Musterhauses aus. Am Hesttoft soll der Prototyp entstehen. „Im April werden wir den Bauantrag für vier öffentlich geförderte Häuser einreichen“, kündigt Dücker an. „Das wird unser Prototyp. Da probieren wir alles aus!“ Ein Jahr später soll Erstbezug sein. Ein ehrgeiziger Zeitplan, der sogar noch Luft nach unten hat. Sollte das Musterhaus in Serie gehen, erwarten Dücker und Dankowski weitere Synergieeffekte, die sich nicht nur positiv auf Bauzeit und Baukosten auswirken, sondern auch auf die Baubranche. Weil im Standardbau die Ingenieurs- und Architektenleistung bereits erbracht ist, biete sich das Projekt auch für kleinere Baubetriebe an. Der SBV-Chef rechnet in den nächsten Jahren mit 150 neuen Wohnungen nach dem Modular-Modell. Wo sie entstehen, steht noch nicht fest, aber der SBV steht nach Aussage seines Vorstandsvorsitzenden in guten Gesprächen mit der Stadt.

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erstellt am 19.Feb.2016 | 07:46 Uhr

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