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Glücksburg : „Wir schauen nach, was zu retten ist“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Repair-Café ist jetzt in der Glücksburger Schlossallee. Tag der offenen Tür am kommenden Sonnabend.

Glücksburg | Von außen wirkt das Haus an der Schlossallee 6 in Glücksburg eher unscheinbar. Aber innen hat sich einiges getan, seit die Stadt das Gebäude im vergangenen Jahr für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet hat. Im Erdgeschoss haben Ehrenamtler mit sparsamen Mitteln ein Café eingerichtet, oder sollte man besser sagen, zwei Cafés? Zum einen beherbergt das Gebäude den „Integrationstreff“, ein Angebot der Glücksburger Flüchtlingshelfer, das von Johannes Sczuka organisiert wird. Flüchtlinge und Einheimische können sich bei einem Kaffee begegnen und Tischfußball oder Xbox spielen. Geöffnet ist der Treff – außer am Eröffnungstag – immer freitags von 15 bis 20 Uhr.

Zum anderen findet in dem Gebäude an jedem dritten Sonnabend eines Monats von 15 bis 18 Uhr das Repair-Café statt. Dann können Besucher gemeinsam mit ehrenamtlich arbeitenden Handwerkern Elektrogeräte, Fahrräder, Kleidung und viele andere Dinge reparieren. Vor und nach der Reparatur kann man sich kostenlos oder gegen eine Spende Kaffee und Kuchen nehmen – deshalb heißt es „Café“. Wer es genauer wissen möchte, kann sich am kommenden Sonnabend von 14 bis 18 Uhr an einem „Tag der offenen Tür“ selbst einen Eindruck von den Cafés verschaffen.

„Die Idee der Repair-Cafés stammt von der niederländischen Umweltjournalistin Martine Postma“, erklärt Reinhard Bartsch. Gemeinsam mit Norbert Jepsen und Doris Schiffner hatte Bartsch das Repair-Café in Glücksburg vor eineinhalb Jahren gegründet. Zunächst war man im DRK-Heim untergekommen. An der Schlossallee hat das Repair-Café nun einen festen Raum. Die Arbeitsplätze können dauerhaft eingerichtet bleiben.

Als Betreiber einer Pension hatte Bartsch an Flüchtlingsfamilien vermietet. Auf diese Weise lernte er zwei Schneider und einen Feinmechaniker aus Krisengebieten kennen. In Glücksburg hatte das Repair-Café von Anfang an einen integrativen Nebeneffekt. Inzwischen sind zwei der ausländischen Handwerker verzogen oder haben eine andere Tätigkeit aufgenommen. Ein afghanischer Schneider blieb. Die anderen Plätze nehmen gelernte Handwerker oder begabte Heimwerker aus Glücksburg und Flensburg ein.

Von der Idee des Repair-Cafés ist Bartsch immer noch angetan: „Es ist eine Initiative von unten aus der Bevölkerung gegen die Wegwerfgesellschaft. Sie ist notwendig, weil Konsum nicht unbegrenzt steigerbar ist – oder nur zu Lasten der Umwelt“, sagt er.

Von den Besuchern des Repair-Cafés werden lediglich Materialkosten eingefordert. Jegliche Gewährleistung auf die Arbeiten ist ausgeschlossen. „Wir wollen anregen, ein defektes Gerät nicht gleich auf den Müll zu werfen, sondern erst einmal nachzuschauen, ob es noch zu retten ist“, erklärt Bartsch.

Mit gutem Beispiel voran gehen konnte der gelernte Schiffsbetriebsingenieur gerade selbst. Das benachbarte Reformhaus schloss. Bartsch übernahm von dem Geschäft den Rahmen der Leuchtreklame. Mit neuem Schriftzug soll damit bald die eigene Sache beworben werden. Eine Designerin hat das Logo für den Integrationstreff entworfen. Kostenlos selbstverständlich.

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