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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 04:59 Uhr

Bürgerprotest : „Wir fühlen uns ein- und ausgesperrt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vollsperrung des Nane-Jürgensen-Weges bringt Anlieger auf die Palme / Stadtwerke führen Anordnung und Sicherheit der Bauarbeiter ins Feld

Eigentlich plante Wolfgang Gutmann gestern eine Ausfahrt mit seinem Motorrad. Eigentlich wollte er auch einen Teil seiner Wohnung renovieren lassen. Beides lässt er bleiben. Denn Gutmann wohnt im Nane-Jürgensen-Weg, und der ist seit einigen Wochen ein Stück weit vom Verkehrsnetz abgeschnitten. Vollsperrung wegen Bauarbeiten der Stadtwerke, voraussichtlich bis Ende Dezember.

„Wir fühlen uns wahlweise ausgesperrt oder eingesperrt“, sagt Gutmann mit einem deutlich sarkastischen Unterton. Der Nane-Jürgensen-Weg ist eine Sackgasse und nur von der unteren Schleswiger Straße aus zu erreichen. Die mit der Sperrung einhergehenden Einschränkungen sind nicht unerheblich: „Was ist, wenn man sich eine Küche bestellt hat?“, fragt Gutmann. An einen Notfall – Feuer oder Krankenwagen-Einsatz – möchte er gar nicht denken. „Da kommt es auf Minuten an!“

„Unüberlegt“, findet Karl-Heinz Jung, Gutmanns Nachbar, die Vollsperrung, die gestern kurz aufgehoben wurde – für die Müllabfuhr. Als weiteres Argument führt er die Parkplatzsuche ins Feld. Üblicherweise können die meisten Bewohner ihre Autos auf dem Grundstück ihres jeweiligen Hauses parken. Das geht jetzt natürlich nicht. Also suchen die Autobesitzer einen Stellplatz im Quartier – irgendwo auf der Rude oder an der Backensmühle. „Am Bahnhof ist nie was frei“, so Gutmann.

Was ihn am meisten wurmt: „Ich wurde am Freitag informiert, ab Montag war die Straße zu. Warum macht man das nicht zwei oder drei Wochen vorher? Dann kann man noch planen.“

Weder Gutmann noch Jung haben etwas gegen die Arbeiten an sich und akzeptieren auch Einschränkungen. „Aber warum kann man die Straße nicht jedenfalls bis zu der Stelle öffnen, an der gebaut wird?“, fragen sie.

Doch die Stadtwerke sind nicht kompromissbereit und beharren auf der Vollsperrung. Vor jeder Baumaßnahme gebe es eine „Koordinierungsrunde“, an der neben dem Bauträger das TBZ, die Feuerwehr, die Straßenunterhaltung und Busfirmen teilnehmen, erläuterte Stadtwerke-Sprecher Peer Holdensen. Nicht jedoch die Anlieger. Die Gespräche münden in eine „Baustellenanordnung“ der Stadt, die man penibel genau einhalten müsse, weil die Baustelle ansonsten still gelegt werde. Dabei gehe es vor allem um die Sicherheit der Bauarbeiter.

Die lange Dauer der Baustelle erklärte Holdensen mit den unterschiedlichen Lagerorten der Leitungen: Die Trinkwasserleitung liege unter der Straße, die Stromleitung unter dem Fußweg. Das bedeute, dass erst die Wasserleitung erneuert und dann die Straße asphaltiert werde, bevor man den Gehweg öffne, um die Stromleitung auszutauschen.

In einem Notfall können die Absperrungen schnell entfernt werden, um den Rettungswagen durchzulassen. „Haben wir schon zweimal gehabt, ist kein Problem“, sagte einer der Bauarbeiter.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 07:11 Uhr

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