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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 02:57 Uhr

Online-Enzyklopädie : Wikipedia-Autor aus Glücksburg: „Wissen soll Spaß machen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Projekt ist nicht vollendet, und hat trotzdem große Bedeutung: Das Online-Nachschlagewerk Wikipedia gibt Antwort auf fast alles. Der Glücksburger Jens Durst hilft dabei, die Enzyklopädie mit Wissen zu füttern.

Das Internet ist ein kollektives Gedächtnis: Jedermann kann es füttern und wachsen lassen, damit es Informationen zu den verschiedensten Lebensbereichen liefert. Nutzer müssen nur wissen, wo sie zu suchen haben – für viele führt der erste Weg zum Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Hier gibt es Antworten auf alles. Fast.

Einer, der dafür sorgt, dass das gebündelte Wissen stetig größer wird und die Lücken immer weniger werden, ist Jens Durst aus Glücksburg (Kreis Schleswig-Flensburg). Der 63-jährige gebürtige Flensburger verfasst Beiträge über Skandinavien, den Segelsport oder norddeutsche Künstler. „Ich habe immer nur Sachen gemacht, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe, Dinge, die mich interessieren“, sagt der pensionierte Berufsschullehrer. Sein Interesse weckte zum Beispiel der 1981 verstorbene Flensburger Künstler Ulrich Beier. „Er hat ein wunderbares Werk hinterlassen“, schwärmt Durst über den Bildhauer, mit dem er Erinnerungen an seine Schulzeit verbindet: Jeden Morgen führte ihn sein Weg an der Skulptur „Baum-Blatt“ vorbei. „Der muss da irgendwie rein“, dachte sich Durst, und verfasste einen Beitrag über die Person Beier und das Werk des Künstlers.

Doch bei aller persönlichen Begeisterung – jedes Thema sei dem Urteil der Community ausgesetzt, erklärt Durst: „Man muss sich immer die Frage stellen: Ist das, was ich da schreibe, relevant für alle?“ Sehen die anderen Beteiligten dies anders, kann es schon mal sein, dass der mühsam erarbeitete Artikel in der Luft zerrissen oder gar gelöscht wird. „Darüber darf man sich nicht ärgern.“ Wikipedia sei eben ein nie vollendetes Projekt, an dem viele verschiedene Menschen mitarbeiten.

Dabei sei es gerade der gemeinschaftliche Charakter der Plattform, der Durst zur Mitarbeit animierte. „Ich fand diese Idee, die dahintersteckt, ganz toll“, sagt Durst, „dass Leute, die etwas wissen und die fachkompetent sind, etwas zu einem Thema dazuschreiben.“

Im Jahr 2006 machte Durst seine ersten Schritte auf der Wissens-Plattform und arbeitet seitdem unter dem Pseudonym „Hein Mück“ an dem Gemeinschaftsprojekt mit. Anfangs korrigierte er Artikel, erweiterte sie, übersetzte Fachkauderwelsch in verständlichere und „flottere“ Sprache oder ersetzte Links, die nicht mehr funktionierten. Nach ein paar Monaten setzte er das erste eigene Thema: „Ich wollte dann auch mal was schreiben – ein bisschen Eitelkeit gehört auch dazu“, sagt er schmunzelnd.

Gänzlich neue Themen zu setzen sei hingegen gar nicht so einfach, sagt Durst. Doch beim Stöbern auf anderssprachigen Wikipedia-Seiten stolpere er regelmäßig über Themen oder Ergänzungen zu bestehenden Artikeln, bei denen er sich denke: „Das sollte der deutsche Wikipedia-Leser auch wissen“. So erweiterte er den deutschsprachigen Eintrag zu Prinz Henrik von Dänemark – ein Mann voller Facetten, sagt Durst, „total der intellektuelle Typ“. Er habe Bücher geschrieben, könne Klavier spielen, sei Bildhauer und spreche viele Sprachen. Hier gehe es um mehr als Daten und Fakten, sagt der Wikipedia-Autor. Das alles trage dazu bei, den Prinzgemahl als Person und in seiner Rolle einschätzen zu können.

Es sei auch schon vorgekommen, dass er von jemandem gebeten wurde, über dessen Person einen Eintrag zu platzieren. Schließlich böte sich Wikipedia an, um sich selbst zu präsentieren. Aber das sei für Durst nicht Sinn der Sache. Er lehnte ab. „Das will ich schon selbst wollen.“

„Wissen soll Spaß machen“, findet Durst: „Ich komme dadurch ja auch weiter in meinem Weltbild. Es ist wie ein Studium.“ Nur dass man das Wissen nicht nur aufsauge, sondern mit anderen teile.

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erstellt am 03.Jul.2016 | 16:03 Uhr

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