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Flensburger Tageblatt

24. Mai 2016 | 17:41 Uhr

Vor dem Wechsel : „Wiedergeburt“ am Meer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach über 20 Jahren wechselt Dorothee Bieske vom Museumsberg nach Eckernförde und wird dort Museumsleiterin

Wann und wo Bundeskanzlerin Angela Merkel das Nolde-Werk gesehen und „Hohe Wogen“ zu ihrem Lieblingsgemälde gekürt hat, sei nicht bekannt. Aber es könnte auf dem Museumsberg gewesen sein, denn hier hängt das Original, sagt Dorothee Bieske. Die scheidende stellvertretende Leiterin des Museums erinnert sich, dass das Politmagazin „Cicero“ sie mal anrief, um die Datei für die Bebilderung eines Berichts über die Lieblingskünstler der Politiker zu erbitten. Und auch die Künstlerkontakte seien immer „ein Ereignis“, sagt Dorothee Bieske im Rückblick auf über 20 Jahre, und ihr fällt eine Begegnung mit dem 2004 verstorbenen Künstler Kain Tapper ein. Der Finne, der unter anderem Wandbilder aus Holz, geschaffen habe, war auch an einem Sonntagmorgen nicht dem Alkohol abgeneigt. Und er sprach kein Englisch, erzählt Bieske. Dennoch habe es ein Band zwischen ihnen gegeben und haben sich die beiden verstanden, auch ohne Worte.

Zum Dezember 1995 ist Dorothee Bieske als wissenschaftliche Volontärin zum Museumsberg gekommen, in der nächsten Woche am 15. Februar ist hier ihr letzter Arbeitstag. Am 1. März tritt sie die Nachfolge des Leiters des Museums Eckernförde Uwe Beitz an, der in den Ruhestand geht. „Für mich war die Frage, mache ich bis zum Ruhestand weiter oder verändere ich mich nochmal“, erklärt die 54-jährige Niedersächsin. Dass unter 171 Bewerbern die Wahl auf sie gefallen ist, freut Bieske natürlich. Nochmal neu zu starten, neu zu denken, das gefällt ihr und erscheine „wie eine Wiedergeburt“. Für sie biete der Wechsel „eine Chance, eigenständig zu arbeiten und Konzepte auszuarbeiten“.

Nicht, dass das in Flensburg nicht möglich war: Hier ist sie als Kuratorin zuständig gewesen für die wissenschaftliche Betreuung der Sammlungen und für die digitale Inventarisierung der Bestände – das Projekt „DigiCult“ startete 2003 auf dem Museumsberg, Bieske hat es mitbegründet. Beteiligt war sie am Umzug der Verwaltung im Heinrich-Sauermann-Haus und der Einrichtung der Magazine im Hans-Christiansen-Haus und der Gemäldegalerie (1997). Zudem tragen die Renaissance- und die Barock-Abteilung im 2012 neu eröffneten Sauermann-Haus ihre Handschrift.

Ihre erste große Ausstellung widmete sich Hans Peter Feddersen, der Maler „zwischen Tradition und Moderne“, der sie immer beschäftigt hat. Als größtes Projekt nennt die 54-Jährige eine Ausstellung von 2002, die sie für vier Orte konzipierte: Die Scherrebeker Bildteppiche bezeichnet Bieske streng als „einzigen legitimen Beitrag zum Jugendstil“ aus der Region. Die Wandbehänge stammen aus der international bekannten, doch keine zehn Jahre bestehenden Webschule im damals zu Preußen gehörenden Scherrebek (heute Skærbæk). Auch Möbel als Schwerpunkt habe sie in Flensburg für sich entdeckt. Denn mit Kunsthandwerk befasse sich das Studium nicht, sagt Bieske, die in Kiel Kunstgeschichte, Volkskunde und Pädagogik studiert hat. „Hier macht man alles – vom Silberlöffel bis zum Gemälde“, resümiert die Frau, die immer ans Meer wollte.

Die Vielfalt der Aufgaben, die sie in Eckernförde erwartet, flößen ihr keine Angst ein. Das Museum kennt sie – anders als viele Einheimische. Deshalb hofft sie, den Bekanntheitsgrad zu steigern, es zum Teil der Stadt zu machen, ihm ein „Gesicht nach außen“, zu geben, es besser zu vernetzen. „Es hat eine schöne Sammlung auf zu wenig Platz.“ Als Museumschefin leitet sie übrigens auch das Stadtarchiv.

Nebenbei passt die Veränderung auch privat. Sie führe seit 20 Jahren eine „Wochenend-Ehe“, sagt Dorothee Bieske. Mit ihrem Mann, einem Ingenieur, besitze sie seit drei Jahren ein Haus am Westrand von Kiel. Die Pendelei zur Zweitwohnung in Flensburg hat ein Ende, doch die gemeinsame Liebe zur Musik, zur Hofkultur zum Beispiel, wird Bieske und ihren Mann weiterhin nach Flensburg locken.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 12:13 Uhr

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