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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 17:35 Uhr

„Piazza“ Flensburgs : Wie eine Künstlerin für eine neue Betrachtung der Hafenspitze wirbt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die „Stadtdenkerei“ will mit Aktionen die Bürger zum Nachdenken bringen. Der Auftrag kommt von der Stadt selbst.

Die beiden Container sind in Glitzerfolie eingepackt. Das fällt auf und animiert zum näheren Hinschauen. „Die Stadtdenkerei“ steht auf Papierschildern. Eine Woche lang geht es hier um den Ort, an dem die Container stehen: die Hafenspitze, jener staubige Platz zwischen Zob-Kreuzung und äußerstem Zipfel der Innenförde.

Es war der erste Stadtdenker Arno Brandlhuber, der 2004 die Flensburger darauf aufmerksam machte, dass der Hafen die eigentliche „Piazza“ Flensburgs sei – also das attraktive Zentrum der Stadt. Auch seine vier Nachfolger machten sich ihre eigenen Gedanken zum Hafen und wie man ihn aufwerten könne. Jetzt möchte die Berliner Urbanistin Turit Fröbe die Flensburger anregen, über ihre Hafenspitze nachzudenken. Sonntag hat sie Quartier bezogen mit ihrem Team junger Doktoranden und Nachwuchsforschern von der Berliner Hochschule der Künste.

Den Auftrag hat sie von der Stadt Flensburg. Sie ist schon seit Jahren damit befasst, den Hafen neu zu betrachten, umzunutzen, aufzuwerten. „Das blaue Band“ ist der Oberbegriff für neue Ansätze, dazu gehört auch das befristete Freiräumen der Parkplätze an der Schiffbrücke. Jetzt sollen Turit Fröbe und ihr Team den Bürger auf eine neue, spielerische Art einbinden in Fragen der künftigen Hafennutzung. „Wir drehen den Spieß um“, sagte Fröbe am Sonntagabend in einer ersten öffentlichen Präsentation unter freiem Himmel. Während die fünf Stadtdenker kamen, um den Flensburgern ihren Blick auf die Stadt zu erklären, sei sie gekommen, um die Flensburger zum Nachdenken über ihre Stadt zu animieren.

Ein paar Impulse gab sie aber schon: Die beiden Bahndamm-Ende zu beiden Seiten des Platzes müssten bleiben, um ihn vor dem Lärm der viel befahrenen Straßen zu schützen. Die Hafenspitze habe zwei Seiten: Hier die Postkarten-Idylle am Wasser, da die meist frequentierte Kreuzung der Stadt mit Zweckbauten und Parkhäusern sowie einem kaum gestalteten Parkplatz Kieler Anlagen. Da Fröbe jedoch ein ausgesprochenes Faible für Bausünden hat, möchte sie auch die beiden unansehnlichen Bahnbrücken über den Hafendamm erhalten, ja sogar betonen. Sie schlägt – vielleicht nicht ganz ernsthaft – vor, die Brücken zu „vergolden“, um sie als „Golden Gate Bridge“ zur Hafenspitze umzudeuten. „Reframing“ nenne man so etwas in ihrem Fachgebiet, und sie erweitert ihren Ansatz um den „liebevollen Blick“ auf alles Sperrige und vermeintlich Hässliche in einer Stadt.

Konkrete Vorschläge, was man mit der Hafenspitze machen könnte, erspart sie sich. Jetzt soll der Dialog mit den Bürgern beginnen: Täglich gibt es Aktionen und Stadtführungen der anderen Art, an der jeder immer teilnehmen kann. Ebenso könne man jederzeit das Team der „Stadtdenkerei“ besuchen und Anregungen geben.

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erstellt am 03.Mai.2016 | 07:56 Uhr

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