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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:27 Uhr

Tierschutz : Wie ein Kettenhund in Flensburg durch Facebook befreit wurde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kurze Kette und zugige Hütte: Eine Internet-Offensive für eine Flensburger Pitbull-Hündin hat das Veterinäramt und den Tierschutz alarmiert.

Flensburg | So kann das gehen in den Zeiten digitaler Medien: Wohl über Wochen quälte sich im Flensburger Norden in einem Hof eine Pitbull-Hündin an einer zu kurzen Kette und in einer völlig unzureichenden Behausung. Ausgerechnet eine Berliner Tierschutzinitiative stolperte über diesen Fall und erzeugte über Facebook Druck auf die Flensburger Behörden. Ein Fall von Tierquälerei – mit glücklichem Ausgang für beide: Hund und Hundehalter.

Unzählige Kommentatoren im sozialen Netzwerk solidarisierten sich mit den Tierschützern aus Berlin, die auf den Fall aufmerksam geworden waren. Der Ton der Kommentare reichte von sachlich bis wütend, vom Vorwurf der „Tierquälerei“ bis zur Forderung, „die Verantwortlichen an die Kette zu legen“. Die Beschreibungen und Bilder der Hündin, welche die Initiative „Ein Herz für Pitbull und Co. Deutschland“ veröffentlicht hat, sind herzerweichend. Die Tierschützer kündigten an: „Wir werden nicht wegsehen.“

 

Die bedauernswerte Hauptrolle in diesem Fall spielt eine Hündin, die, so der Vorwurf an den Halter, „an einer Kette im Garten mitten in Flensburg“ gehalten wurde. Die Kette war nach Angaben der Initiative nur einen Meter lang, die Hütte als Rückzugsort eher ein Bretterverschlag mit Lamellen als Dach und ohne Isolierung. Die beiden Näpfe davor für die Hündin seien unerreichbar gewesen.

Doch nicht allein beim Hundehalter sahen die Berliner Versäumnisse, sondern auch bei den Flensburger Behörden und den Kollegen vom Tierschutz. Den Besuch letzterer habe der Pitbull-Halter gar nicht ernst genommen. Denn die Mängel, die ihn der Tierschutz Flensburg zu beheben bat, hätten noch Wochen später weiterhin bestanden. Veterinär und Ordnungsamt seien wegen Vogelgrippe verhindert, die Einhaltung der Auflagen zu kontrollieren, habe man am Telefon erfahren – das gehe auf Kosten der Gesundheit der Hündin.

Clemens Teschendorf, Flensburgs Pressesprecher, darf sich zum einzelnen Fall nicht äußern und nur das grundsätzliche Prozedere erläutern: Gingen bei der Stadt Hinweise auf Verstöße eines Hundeshalters ein – etwa zu kurze Leine oder ungeeignete Unterkunft –, kontrolliere der Außendienst, ob dem so ist. „Wenn es Beschwerden gibt, gehen wir dem nach“, betont Teschendorf. Versäumnisse aber könne nur der Veterinär feststellen. Der Hundehalter werde auf seine Pflichten und Korrekturmaßnahmen hingewiesen, die Umsetzung werde nach einem gewissen Zeitraum überprüft. Wenn sich bis dahin nichts geändert habe, gebe es das Mittel einer „Ordnungsverfügung“, erklärt Teschendorf. „Die muss persönlich übergeben werden.“ Darin werden Bedingungen gestellt, die der Halter erfüllen muss.

Willy Sandvoß, Vorsitzender des Vorstands des Flensburger Tierschutz, hat sich den „Tatort“ angesehen – auf Bitte der Stadt, sagt er. Der Hundeführer sei „kooperativ und verständig“ gewesen, schildert Sandvoß seinen Eindruck, der Hund würde abends ohnehin immer ins Haus kommen. Der Mischling habe aus Sicht des langjährigen Tierheimleiters „gesund und freundlich“ auf ihn gewirkt. Allerdings benennt Sandvoß Hütte und Kettenhaltung als eindeutige Verstöße gegen die Halterverordnung, die mit einer doppelwandigen isolierten Hütte und einer Laufvorrichtung für mehr Auslauf zu beheben seien. Dies sei dem Hundehalter mit ausländischem Hintergrund nicht bekannt gewesen, er sei „ehrlich erschrocken“ gewesen, dass er gegen deutsches Gesetz verstoßen habe, berichtet Willy Sandvoß. Nach vier Wochen wollte er sich davon überzeugen, ob der Mann Abhilfe geschaffen hatte. Dies war nur teilweise der Fall, so dass er eine weitere Frist setzte.

Die ist inzwischen abgelaufen. Die Berliner Pitbull-Freunde haben noch einmal auf den Flensburger Fall geschaut – und geben Entwarnung: „Wir sind sehr glücklich und froh, dass man nun doch in der Lage war, der Hündin aus ihrer unhaltbaren Haltung zu helfen.“ Die Hündin sei jetzt im Wohnhaus untergebracht, draußen sei zudem die „korrekte Laufleinenvorrichtung“ angebracht worden.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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