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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 17:43 Uhr

Werftarbeiter zu Verhandlungen bereit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gewerkschaft und Belegschaft wollen zunächst mehr über das Zukunftskonzept des Managements wissen – und haben viele Fragen

Es hört sich wie eine Selbstverständlichkeit an, doch genau das ist es beileibe nicht: Mit überwältigender Mehrheit von mehr als 90 Prozent der Befragten haben die Mitarbeiter der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) gestern Verhandlungen mit dem neuen Werft-Management um Geschäftsführer Rüdiger Fuchs zugestimmt. Diese Zustimmung war bis dahin alles andere als sicher gewesen: Nach zweistelligen Millionenverlusten in den vergangenen vier Jahren will die Werft so schnell wie möglich in die Gewinnzone zurückkehren.

In einem Vier-Punkte-Plan stellt Fuchs nicht nur 100 der 750 Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zur Disposition, sondern Überstunden- und Akkordzuschläge und mehr (wir berichteten). Zum überwältigenden Votum der Belegschaft für Verhandlungen muss man wissen, dass an der Batteriestraße aktuell ein Tarifvertrag gilt, der eine Beschäftigungsgarantie für die komplette Stammbelegschaft samt aller Tarifbestandteile bis 31. Dezember 2017 sicherstellen würde. Auf all das verzichten die Mitarbeiter nun, um ihre Werft zukunftsfähig machen zu können.

„Wir wollen lieber gestalten“, sagt IG-Metall-Chef Michael Schmidt. „Die Alternative, wenn der Betrieb in die Insolvenz ginge, ist keine.“ Die Metaller haben aber auch Bedingungen gestellt: „Von unserer Seite muss ein wirtschaftliches Gutachten eingeholten werden“, erklärte Schmidt. Dabei handele es sich um einen erfahrenen externen Berater, der die Werft gut kenne, aber auch zum Beispiel bei Airbus schon tätig gewesen sei. Außerdem wollen Belegschaft und Mitarbeitervertreter das Konzept hören, mit dem Siem Industries und ihr deutscher Manager Fuchs, der noch keine drei Monate an der Batteriestraße arbeitet, die Flensburger Traditionswerft wieder zukunftsfähig machen wollen. Hinter der Idee, Spezialschiffe samt Ausrüstung künftig mit einer um 100 Kollegen dezimierten Stammbelegschaft zu bauen, müssten schließlich eine Idee und ein Konzept vorhanden sein. Und diese sollten der Belegschaft einmal dargestellt werden.

Werftmanager Rüdiger Fuchs hatte am Freitag im Gespräch mit dem Tageblatt klargemacht, dass man sehr kurzfristig Entlastungen brauche, um aus den roten Zahlen zu kommen: „Wir leben ja schon seit vier Jahren von Transfusionen. Wir müssen die Blutung endlich stoppen“, erklärte er.

Unterdessen gibt es auf Mitarbeiterseite bislang vor allem viele Fragezeichen: Welche Abteilungen werden wie stark vom Arbeitsplatzabbau betroffen sein? Welche Altersgruppen trifft es überproportional? Auf Lohneinbußen in welcher Größenordnung müssen sich diejenigen, die bleiben dürfen, einstellen, wenn Überstunden- und Akkordzuschläge in der Produktion wegfallen?

Dabei ahnen die meisten, dass es für die FSG ein Glücksfall sein könnte, dass aus dem einstigen FSG-Kunden Siem vor knapp zwei Jahren der Eigentümer wurde. Allein fünf der sieben aktuell produzierten oder bestellten Schiffe gehen auf das Konto der Inhaber aus Norwegen.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 07:34 Uhr

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