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Selbsthilfe in Flensburg : Wenn Mama Weihnachten vergisst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Alzheimer-Gesellschaft Flensburg und Umgebung will wachsen und ab Mai mit neuem Vorstand verschiedene Vorhaben verwirklichen.

Die Familie war schon versammelt zum Fest, nur Mama ließ auf sich warten. Der Anruf bei ihr ergab: „Ich mache gerade Flur-Woche“, erinnert sich Martina Klose-März an eine Begebenheit mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter und fügt hinzu: „Sie hatte vergessen, dass Weihnachten ist.“ Die Diagnose stellte der Arzt vor acht Jahren, fünf Jahre lang habe sie ihre Mutter zu Hause begleitet, seit fünf Jahren ist die freiberufliche Kunsthistorikerin Vereinsmitglied in der Alzheimer-Gesellschaft in Flensburg.

Auch er habe als Angehöriger, nachdem er sich bei der Gesellschaft erkundigt hatte, monatelang Unterstützung erfahren und sei nie gefragt worden, ob er Mitglied werden wolle, berichtet Ole Andresen und hält das Modell der gelben Engel entgegen, die bei jeder Autopanne nicht nur Werkzeug, sondern auch einen Mitgliedsantrag dabei haben. Längst gehört der 47-Jährige der Alzheimer-Gesellschaft an und wird im Mai als Vorstandsvorsitzender kandidieren. Nach 25 Jahren München und Geschäftsführung einer großen Bank ist der Flensburger zurück in der Heimat. Er habe sein Mandat niedergelegt, betreibe „nebenbei“ ein Immobilien-Büro und möchte sich sozial engagieren. Ein Ziel: den Verein weiterentwickeln, ihn aus dem Schatten hervorholen, ihn sichtbar machen. Ein zweites Ziel: eine Anlaufstelle mit eigenen Räumen. „Was der Verein erreicht hat mit wenigen Menschen und was uns widerfahren ist – das würden wir gern mit unserer Kraft weitergeben“, sagt Andresen und hat zum Beispiel neue Ideen für gemeinsame Musikveranstaltungen.

Es ist noch Platz für weitere ehrenamtlich Engagierte, auch im künftigen Vorstand. Seit einem im Sommer abgelaufenen Bundesmodellprojekt erkennt Alli Hasbach „einen Schwung nach vorn“ für die Gesellschaft. Nun sei die Frage, ob man den mitnehme und über das Ehrenamt hinaus in Richtung Hauptamtlichkeit vorangehe. Der Zulauf sei da. Hasbach hat über zwei Jahrzehnte das Haus der Familie geleitet. Dort sitzt auch seit 14 Jahren die Alzheimer-Gesellschaft, informiert, berät, vermittelt weiter, bietet Schulungen und Kurse an, knüpft Netzwerke. Derzeit gibt es 121 Vereinsmitglieder, weiß Hasbach. Ole Andresen sagt, daraus könnten ganz schnell 400 oder 500 werden. Der jährliche Mindestbeitrag von 15 Euro ist ein Mini-Betrag. Das Thema werde immer präsenter, beobachtet Andresen. Wenn ein Familienangehöriger betroffen ist, suche man sich Anlaufstellen, frage sich, an wen man sich wenden soll, welche Therapie die richtige ist.

Alli Hasbach schätzt, dass es in Flensburg rund 1600 von Demenz Betroffene gibt, mehr als zwei Drittel davon leiden an Alzheimer. „Demenzerkrankte machen eine Entwicklung durch: Es gibt immer wieder neue Phasen. Wir bemühen uns, Kontakt zu halten“, erklärt Hasbach.

Wichtig sei, die Angehörigen zu unterstützen. Austausch sei hilfreich, der Verein wisse, wie man sich entlasten kann, sagt Martina Klose-März. Denn: „Man geht an Grenzen.“ Das Engagement in der Alzheimer-Gesellschaft ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Ich weiß, wie sich Angehörige fühlen, und ich weiß, wie sich Betroffene fühlen“, sagt die Kunsthistorikerin.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 10:21 Uhr

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