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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:46 Uhr

Wenn Käpt’n Hansen vertellt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hafenrundfahrt mit Aha-Effekt: Mehrmals täglich erklärt Christian Matthias Hansen seinen Passagieren Flensburgs Hafen

Ob für Einheimische oder Urlauber, noch mehr als während des übrigen Jahres bilden Innenförde und Hafen in den Sommerferien das Herz Flensburgs. Grund genug, um ein paar Hauptdarsteller und Geheimtipps auf dem Wasser in einer Serie unter die Lupe zu nehmen. Heute: Kapitän Hansen.

Strand, Förde und Ostsee. Diese drei Begriffe werden unweigerlich mit Flensburg in Verbindung gebracht. Wer die Landschaft besser kennen lernen möchte, dem bietet sich eine Reihe von Möglichkeiten an. Ein Spaziergang durch die Stadt oder am Strand – oder eine Schifffahrt entlang der Förde. Die bietet der erfahrene Kapitän Christian Matthias Hansen auf der „Flora II“ an. Dabei belässt der Kapitän es nicht bei einer einfachen Rundfahrt. Er erzählt vieles über Förde, Landschaft, Geschichte, Gebäude und Legenden.

Die gemütliche Rundfahrt dauert 45 Minuten und beginnt an der Schiffbrücke. Am Steg begrüßen der Kapitän und Schifffahrtsgehilfin Güde Korkmann persönlich die Passagiere. Bis zu zwölf Personen dürfen pro Fahrt einsteigen. Dann geht es auch schon los. Mit dabei eine Gruppe der Kindertagesstätte Kapernaum auf der Westlichen Höhe. Kurz nach dem Ablegen der Flora informiert Hansen schon über die Entstehung des Fischereivereins. Die Flutkatastrophe von 1872 brachte die Fischer dazu, eine Gilde zu bilden, die in Notfällen zusammensteht. So sei man für zukünftige Katastrophen besser gewappnet. Heutzutage stirbt die Nebenerwerbsfischerei aber zusehends aus.

Weiter hafenauswärts passiert die Flora das markante Gebäude „Klarschiff“. Die Architektur orientiert sich an einem Schiff, ist jedoch modern gehalten. Während sich im Erdgeschoss zwei Unternehmen niedergelassen haben, kann man ab der ersten Etage Eigentumswohnungen erwerben. Nur eine Minute später ist der Harniskai erreicht. Dies ist eine künstlich angelegte Halbinsel, um mehr Freifläche für Gewerbebetriebe zu schaffen. Herausragend: die Silo-Türme von HaGe, deren Tage allerdings gezählt sind.

Ebenfalls auf der Halbinsel steht der gelbe, denkmalgeschützte Kampnagel-Vollportalkran aus den 50er Jahren. Den Abschluss bildet die Zolldienststelle, „an der Segler ihre Zollerklärung abgeben können“. Passend zum Thema bietet der Kapitän zollfreie Zigaretten an – ganz legal, denn eine kleine persönliche Ration darf trotz des Wegfalls von Duty Free immer noch verkauft werden.

Wer seinen Blick weiter an der Küste entlang schweifen lässt, der erblickt ohne Mühen ein großes Gebäude mit einem Aluminium-Dach. Eines der Kinder vermutet, dass es ein Schwimmbad sei. Nicht ganz, handelt es sich dabei doch um das Flensburger Klärwerk. In Sonwik angekommen, steigt die Kita-Gruppe aus. Die Kinder hatten sichtlich Spaß. „Wir machen das im Rahmen eines Sommerferien-Programms, damit die Kinder die Umgebung besser kennen lernen können“, sagt Martina Dieterle, Ergotherapeutin und Betreuerin.

Nachdem die Gruppe von Bord gegangen ist, setzt Hansen die Fahrt fort. Im Hafen von Sonwik liegen die Segelyachten an schwimmenden Pontonbrücken. „Sie gleichen die Schwankungen des Wasserstands aus, sodass die Schiffer trotz unterschiedlicher Stände bequem an Bord gehen können“, sagt Hansen. Direkt am Yachthafen Sonwik befinden sich auch die Wasserhäuser. Sie stehen auf der großen Brückenanlage des ehemaligen Marinestützpunkts Flensburg, der 1998 aufgelöst wurde. Mit Kaufpreisen von 500  000 Euro und mehr gelten sie nicht gerade als Schnäppchen.

Wesentlich imposanter kommt dann das „Rote Schloss am Meer“ zum Vorschein, die Marineschule Mürwik. Der Architekt Adalbert Kelm kreierte die weitläufige Anlage nach dem Vorbild der unweit Danzigs gelegenen über 400 Jahre alten Marienburg des Deutschen Ordens. Seit 1910 werden dort alle zukünftigen Offiziere der Marine ausgebildet. Darunter fällt auch die Ausbildung am Klettermast. Wegen tragischer Unfälle auf dem Schulschiff Gorch Fock errichtete die Marine dieses 28 Meter hohe Trainingsgerät.

Einige Meter weiter führt dann der Weg in Richtung Fördebrücke zurück. Gut zu erkennen die Badestrände auf der westlichen Seite der Förde. „Hier in Wassersleben und Ostseebad gehen die Flensburger gern schwimmen“, weiß der Kapitän.

In nächster Nähe zur Werfthalle der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft befindet sich die Galwik – die Galgenbucht. „Bis 1860 befand sich hier am Ufer die Richtstätte Flensburgs“, erläutert Hansen. „Der Galgen war für anfahrende Schiffe gut sichtbar. So konnten die Seeleute gleich sehen, was ihnen blüht, wenn sie sich nicht benehmen“, scherzt Güde Korkmann. Heutzutage ist es dort wesentlich friedlicher.

Kurz danach liegt die Flora wieder an der Fördebrücke an, und die Rundtour ist vorbei. „Kiek mol wedder in“, verabschiedet der Kapitän seine Gäste. „Kieken“ kann man auch Hansens zweite Passion – die bewegte Geschichte dieser Landschaft. Aktuell arbeitet er an seinem Dokumentarfilm „Eiszeit“, in dem es um die Entstehung der Fördelandschaft geht. Nach Fördeland I und Fördeland II wird dies sein dritter Dokumentarfilm. Erscheinungstermin: Weihnachten 2016, ein ehrgeiziger Plan. Aber wie sagt der Käpt’n: „Geiht nich, gifft nich“. Er hat den Termin fest im Visier.


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erstellt am 06.Sep.2016 | 18:22 Uhr

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