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Flensburger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:22 Uhr

Fest der Kulturen : Wenn Griechen arabische Lieder singen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

15 Musiker aus vielen Ländern machen beim „Intercultural Music Project Neustadt“ mit

Shiwan ist irakischer Kurde, 26 Jahre jung und vor dem Krieg aus seinem Heimatland geflüchtet. Zwei Wochen lang war er zu Fuß, per Anhalter sowie mit dem Schiff allein von der Türkei nach Deutschland unterwegs. Immer dabei seine Gitarre, die ihn bei seiner wagemutigen Reise getröstet, zudem manch kleine Spende zum Überleben eingebracht hat. Seit einigen Tagen hält er sich in Flensburg auf – und ist schon Teil der gut vernetzten Flensburger Musikszene. Vermittelt hat ihn die Flüchtlingshilfe ins „Intercultural Music Project Neustadt“, das er mit seinem bemerkenswert virtuosen Gitarrenspiel bereichert. „Obwohl ich erst kurz dabei bin, fühle ich mich in der Band bereits akzeptiert“, sagt er auf Englisch.

Diese Grenzen überwindende, gelebte Liebe zur Musik entspricht genau den Zielen des Projekts. „Unsere Idee ist es, Menschen verschiedener Nationalitäten über die Musik zu vereinen, idealerweise Flüchtlinge in unsere Gesellschaft zu integrieren“, sagt Initiator Stelios Antoniou, mit einem griechischen Folklore-Duo selbst aktiv in der Szene. Etwa 15 Musiker machen mittlerweile in dem im Sommer gestarteten Projekt mit, darunter syrische wie irakische Kurden, Menschen aus dem Jemen sowie aus Flensburg und der Region. Mit Percussion aus vielen Ländern, Gitarre, Bouzouki, Trompete, Dudelsack und Gesang üben sie Songs aus Pop und griechischer wie arabischer Folklore ein. „Es ist manchmal nicht einfach, unterschiedliche Kulturen, Temperamente und Wünsche unter einen Hut zu bekommen, aber mit unserem gemeinsamen Bestreben, anständige Musik zu machen und viel Geduld erreichen wir das Ziel“, so Stelios.

Die Übungsabende im Stadtteilhaus Neustadt verlaufen entsprechend harmonisch, fast schon familiär, weil alle Freunde und etwas zu essen mitbringen. Sogar Passanten kommen spontan hinzu und erfreuen sich an der klanglichen Vielfalt. Gefördert werden die Musikenthusiasten bis Ende des Jahres mit einem kleinen Budget vom städtischen Projekt „Neustadt – Flensburger Norden“. Den Abschluss bildet ein öffentliches Konzert zum Jahreswechsel.

Musiker Stelios verleiht auch Instrumente aus seinem Fundus: „Unser Khaled nutzt beispielsweise eine Laute und ist froh, dass er endlich wieder etwas hat, worauf er spielen kann“, sagt er und empfindet ob des erfolgreich eingeschlagenen Weges manchmal kleine Glücksgefühle – „wenn doch alles so leicht zu erreichen wäre!“ Schwester Nina Antoniou ist eine der Sängerinnen und singt folkloristische Songs jetzt auch auf Arabisch. „Das ist mal eine Abwechslung. Unsere Freunde haben uns die Texte genau erklärt und sprachlich beigebracht“, erzählt die Deutsch-Griechin. Wie sich die internationale Band anhört, demonstriert das „Intercultural Music Project Neustadt“ auf dem heutigen Fest der Kulturen im Deutschen Haus. Der Eintritt ist frei.




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erstellt am 29.Okt.2016 | 08:28 Uhr

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