zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 12:58 Uhr

Wenn der Meeresspiegel steigt . . .

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

WiF-Fraktion möchte die Stadt auf den prognostizierten Anstieg vorbereiten / Klärwerk und Stadtwerke haben nah am Wasser gebaut

Förde und Innenhafen fallen in letzter Zeit häufiger durch extreme Niedrigwasser als durch exorbitante Hochwasser auf. Im Gegensatz zu früheren Jahren stehen die Straßenzüge rund um den Hafen nur noch sehr selten unter Wasser. Doch alle ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen: Der Meeresspiegel wird über kurz oder lang steigen, weil immer mehr Eis schmilzt, und von dieser Entwicklung wird früher oder später auch Flensburg betroffen sein.

Diese unausweichliche Erkenntnis hat jetzt die Ratsfraktion „Wir in Flensburg“ (WiF) auf den Plan gerufen. Sie möchte eine langfristige Strategie im Umgang mit dem drohenden Wasseranstieg entwickeln lassen. „Der steigende Meeresspiegel stellt eine Küstenstadt wie Flensburg vor Herausforderungen, für deren Bewältigung mehrere Jahrzehnte und immense finanzielle Aufwendungen nötig sein werden“, steht im Antrag HA-29/2016. Konkret möchte die WiF wissen, was in Flensburg passiert, wenn der Meeresspiegel um zwei Meter steigt. Das wird sicher nicht in dieser oder der nächsten Wahlperiode geschehen, aber eine gute Vorbereitung kann nicht schaden.

Zwei für das Überleben der Stadt besonders wichtige Einrichtungen stehen in Wassernähe: Klärwerk und Stadtwerke. Der Energieversorger hat in der Tat bei seinem jüngsten Projekt an den steigenden Meeresspiegel gedacht. „Wir haben die neue Gasturbinenanlage etwas höher gebaut als eigentlich erforderlich“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Peer Holdensen. Sie liege jetzt auf 3,40 Meter über Normalnull. Da man in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ohnehin sukzessive viele Bestandteile des Kraftwerks erneuern müsse, werde man bei Ersatzbauten entsprechend vorgehen, so Holdensen.

Das Klärwerk sei derzeit auf einen mittleren Wasserspiegel von 0,00 Meter – also Normalnull – und einen maximalen Pegel von 1,80 Meter ausgerichtet, sagt auf Anfrage Geoffrey Warlies vom Technischen Betriebszentrum (TBZ). Ein Anstieg des Meerespiegels um zwei Meter hätte für den Betrieb des Klärwerks keine unmittelbaren Auswirkungen, da die Geländehöhen des Klärwerks zwischen 3,94 und über fünf Meter zu heutigem Normalnull liegen. Lediglich der Steg, der als Einleitungsbauwerk des gereinigten Abwassers in die Förde dient, befände sich bei einem Anstieg um zwei Meter auf Meeresniveau und könnte nicht mehr trockenen Fußes begangen werden. Für die Einleitung selber hätte dies aber keine Auswirkungen, so Warlies.

Die WiF möchte jetzt nicht gleich einen Hochwasserschutz rund um den Hafen bauen, sondern erstmal nur eine Arbeitsgruppe einrichten, die sich regelmäßig trifft und zweimal im Jahr dem Hauptausschuss berichtet. Am übernächsten Dienstag befasst sich der Umwelt- und Planungsausschuss mit dem Thema.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Aug.2016 | 08:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen