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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) : Weniger Jobs, weniger Lohn: Werft-Mitarbeiter stimmen für Sanierungsplan

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die meisten Mitarbeiter tragen finanzielle Einschnitte und den Wegfall von 98 Arbeitsplätzen mit. Die Einigung soll sieben Millionen Einsparung pro Jahr bringen.

Als die Nachtlokale am Hafen und Südermarkt am Sonnabend gegen acht Uhr die letzten Gäste ausspuckten, kamen Metaller und Betriebsräte gerade mit dem Werft-Management aus dem Verhandlungslokal. Sie waren offenbar zur Einigung verdammt: Die letzte Nachtrunde hatten die Unterhändler der Belegschaft der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft um IG-Metall-Chef Michael Schmidt und Betriebsrat Ralf Sasse seit Freitagabend glatt durchverhandelt.

Die FSG fertigt vor allem Spezialschiffe für die Offshore-Industrie oder für den Transport von Autos (Roll-on-Roll-off-Schiffe). Hierfür hatte das Unternehmen zuletzt auch größere Aufträge erhalten - aber nicht genug. Die Einschnitte sind nötig, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Die nächtliche Einigung soll jene sieben Millionen Einsparung pro Jahr bringen, die die Werft kurzfristig wieder wettbewerbsfähig machen sollen. Rund 75 Prozent Zustimmung bekamen Betriebsrat und IG Metall dafür in der noch 710 Beschäftigte großen Stammbelegschaft der FSG (ohne Azubis und Altersteilzeit): „Die sieben Millionen konnten wir nicht wegverhandeln“, sagt Metaller Schmidt – und die drohende Insolvenz, die Geschäftsführer Rüdiger Fuchs für den Fall eines negativen Votums angedroht hatte, sei keine Alternative. Schmidt wusste: „Wenn wir es nicht machen, trifft es noch viel mehr Kollegen.“

Seitdem am Mittwoch das vereinbarte Widerrufsrecht aller Verhandlungsparteien verstrichen ist, liegt die Zukunft des Schiffbau-Standortes nun in den Händen der öffentlichen und privaten Finanzierer und Darlehensgeber. Der gesamte Zeitplan ist eng, da die Einsparungen noch in diesem Jahr greifen sollen.

Ungewöhnlich ist, dass Gewerkschafter Schmidt angesichts schmerzhafter Einschnitte über den norwegischen FSG-Eigentümer Siem Industries nur sagen kann: „Der Gesellschafter engagiert sich wirklich für den Standort.“

Unterm Strich bedeutet das ausgehandelte Ergebnis allerdings, die Stammbelegschaft auf der Werft im neuen Jahr 113 Arbeitsplätze weniger zählt. Davon sind 15 für die Belegschaft vielleicht noch zu verschmerzen, weil die Jobs der in diesem Jahr durch Rente oder Wechsel ausscheidenden Kollegen einfach nicht wieder besetzt werden. Der wohl schwierigste Teil der Sanierung für die Belegschaft: 98 Vollarbeitsplätze müssen durch echte Entlassungen wegfallen. Schmidt & Co hoffen zwar auf möglichst sozialverträgliche Lösungen wie Altersteilzeit oder den Wechsel flexibler Mitarbeiter zu anderen Schiffbau- und Industriebetrieben – doch ohne eine größere Zahl von Entlassungen dürfte es bei dem von Manager Fuchs vorgegebenen Tempo nicht gehen. Allein die Personaleinsparungen sollen 3,6 Millionen Euro für die Wettbewerbsfähigkeit der Werft bringen.

Doch die Mitarbeiter müssen noch mehr schlucken: Die Akkordzahlungen werden halbiert, was für die Schiffbauer rund 5,5 Prozent Lohneinbuße bedeutet – und auch wer nicht Akkord arbeitet, soll die gleiche Belastung tragen. Das wird demnach weitere 1,6 Millionen Euro bringen. Außerdem sollen neue Arbeitszeitkonten die teuren Überstunden überflüssig machen. Einzig Sonn- und Feiertagszuschläge tauchen künftig noch auf dem Lohnzettel auf – was weitere 1,75 Millionen Euro im Jahr einsparen soll.

Gewerkschafter und Betriebsräte sind froh, dass sie mit dem Modell der „neuen FSG“ immerhin die komplette Stammbelegschaft in der Tarifbindung halten konnten. Schmidt: „Der Arbeitgeber hatte die Idee, eine Dienstleistungsgesellschaft zu gründen“ – eine Art FSG light.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 16:15 Uhr

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