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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 21:49 Uhr

Geld von Konzernen für Ärzte : Wenig Pharma-Lohn für Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Transparenz-Initiative von Correctiv: Kliniken sind Hauptbegünstigte der Industrie / St. Franziskus und Diako für gesetzliche Offenlegung

Als Spiegel-Online vergangene Woche finanzielle Verbindungen zwischen deutschen Ärzten und der Pharmaindustrie öffentlich machte, war Flensburg in der interaktiven Deutschland-Karte nur provinzielles Randgebiet. Von den 575 Millionen Euro, die nach Recherchen des gemeinnützigen Recherchezentrums „Correctiv“ im vergangenen Jahr an über 71  000 Ärzte und medizinische Institutionen geflossen waren, dürften nur ein paar tausend Euro in Flensburg gelandet sein – hauptsächlich in den beiden großen Kliniken, wie die Liste zeigt.

Für Flensburg gilt, was bundesweit für die Untersuchung gilt: Alle Angaben sind mit freiwilliger Einwilligung der Betroffenen veröffentlicht worden, viele Ärzte – bundesweit gut 70 Prozent – wollten nicht öffentlich dargestellt wissen, was die Pharmaindustrie ihnen jährlich an Reisekostenerstattung, Sponsoring, Vortragshonoraren etc. zukommen lässt. Dr. Christian Peters, Krankenhaus-Direktor der Diako, hält die Beteiligung seiner Leute an der Transparenzoffensive aber für höher: „Das dürften 50 Prozent sein.“

Correctiv beziffert den Mittelzufluss an die Diakonissenanstalt mit 18  000 Euro, zusätzlich zur institutionellen Förderung kommen Einzelzuwendungen an zwölf Ärzte zwischen 8500 und 90 Euro. Institutionell profitiert die Klinik ganz überwiegend vom Sponsoring. Fast alle öffentlichen Veranstaltungen fallen laut Peters in dieses Format. „Ich halte das für unschädlich. Wenn wir zum Beispiel über künstliche Gelenke informieren, haben wir immer gleich mehrere Anbieter dabei.“ Hinzu kommen Veranstaltungen der Klinik für niedergelassene Ärzte, etwa im Glücksburger Strandhotel, in denen Pharmaunternehmen für Miete und Catering aufkommen. „Manchmal braucht man einfach ein gewisses Ambiente.“

Im individuellen Bereich fließen Mittel überwiegend für Vortragshonorare oder nationale und internationale Fortbildungsveranstaltungen. Die Diako setzt für Fortbildung bis zu 0,04 Prozent ihres Jahresumsatzes von rund 120 Millionen Euro an. Aus diesem Budget wird je zur Hälfte die Qualifikation der Ärzte und der Dienste finanziert; vielleicht jährlich 10 Prozent der dafür aufgewendeten 250  000 Euro würden zusätzlich gesponsert. „Jeder Einzelfall geht über meinen Tisch“, betont der Krankenhaus-Direktor. „Intern ist das ein transparenter Prozess.“ Er hält es auch für unwahrscheinlich, dass die Pharmaindustrie in diesem Prozess ihre Produkte bevorzugt platzieren kann. „Darüber entscheidet eine gemeinsame Kommission, die von beiden Kliniken besetzt wird. Ein wirkungsvolles Instrument, um unmittelbaren Einfluss zu vermeiden.“ Gleichwohl macht Peters keinen Hehl daraus, dass er in diesem Spannungsfeld dem US-amerikanischen Modell den Vorzug geben würde: gesetzlich verordnete totale Transparenz. „Davon sind wir in Deutschland noch ein Stück entfernt, aber wie diese Initiative zeigt, hat schon ein Umdenken eingesetzt.“

Das sieht man im St. Franziskus ebenso. „Das wäre die beste Lösung!“ Der kaufmännische Direktor Helmut Andresen hat grundsätzlich keine Probleme mit der Zusammenarbeit mit der Industrie. Der Fortbildungskalender der beiden Kliniken und des Flensburger Ärztevereins sei ohne die Hilfe der Unternehmen auf diesem Niveau nicht möglich, glaubt Andresen. Wie die Diako würden die von einer ganzen Palette von Pharmaunternehmen zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe von rund 25  000 Euro hauptsächlich in Fortbildung und geförderte Veranstaltungen fließen. Angesichts des Umsatzvolumens von gut 70 Millionen Euro (Diako 120 Millionen), findet Andresen, falle der Betrag auch nicht sonderlich groß ins Gewicht.

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erstellt am 20.Jul.2016 | 07:17 Uhr

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