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Flensburger Tageblatt

23. März 2017 | 01:26 Uhr

Ausstellung in Flensburg : Wellen, Eisbären und eine umspülte Quietsch-Ente

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zum 15. April ist die Doppelausstellung „Dem Meer verbunden“ in der Galerie Bilder im Hof zu sehen

Beide Künstler leben in Schleswig-Holstein, beide bevorzugen die Ölmalerei – und beide sind dem Meer verbunden. So heißt die Ausstellung, die gestern bei Bilder im Hof eröffnete. Heino Karschewski und Malte von Schuckmann stellen in der Galerie in der Roten Straße zum ersten Mal gemeinsam aus. Galeristin Karen Kaul kennt die Künstler seit Jahren. Trotz des Sujets, das die Männer verbindet, widmen sie sich dem Meer auf „gänzlich unterschiedliche“ Art, sagt Kaul.

Malte von Schuckmann male Wasser und Wellen „ohne Beiwerk“. Der 39-Jährige ist in Buchholz in der Nordheide geboren, hat Gestaltung in Hamburg studiert und die Muthesius-Kunsthochschule in Kiel besucht. Seine Eltern seien verrückte Surfer gewesen, die Kinder hätten natürlich auch auf den Brettern gestanden und alle zusammen regelmäßig Urlaube in der Wohnung der Großeltern auf Sylt verbracht, berichtet von Schuckmann. Zum Surfen reiche die Zeit nicht mehr, resümiert der Künstler. „Doch die Faszination für die Nordsee ist geblieben.“ Seit 2013 beschränkt er sich auf das Malen von Wasser, das habe ihn gereizt. Keine Wolken, kein Raps, stattdessen Flutsaum, Gischt, Lichtbrechungen. „Jede Welle ist anders“, beobachtet er. Von Schuckmann, der in den Hüttener Bergen wohnt, liebt die Nordsee vor allem im Spätsommer und Herbst, wenn das Licht am schönsten ist. Es muss auch nicht mehr immer der stärkste Sturm toben, um ihn glücklich zu machen. „Ich muss da gewesen sein“, sagt er über die inspirierende Natur. Im Atelier nimmt er Fotos als Stütze und Erinnerungen, variiere Wellen und Horizont im Prozess des Malens – da passiere viel, das werde für ihn nicht langweilig. Zehn bis 15 Bilder seien zugleich in Arbeit, am Tag arbeite er an zwei bis vier. In filigraner Technik trägt er mehrere Schichten auf, die lange zum Trocken brauchen. Auch deshalb gibt es seine Bilder nicht auf Halde und nur eine Ausstellung im Jahr.

Malerei des Wassers sei selten in Deutschland, sagt Holger Schwiewager, der vor einem Jahr seine Galerie an Karen Kaul übergab und den Übergang ein Weilchen im Hintergrund begleitet. Was handwerklich hier geleistet werde, hält er für einen „sensationellen Kulturbeitrag“ und wirbt bei den Gästen, so wie er selbst, das Wirtschaftliche während der Ausstellung auszuklammern.

Ein hervorragender Handwerker war Heino Karschewski auch vor seiner Karriere als Zeichner, die er wiederum 1993 gegen die Ölmalerei eintauschte. Ihm sei wichtig, dass seine Kunst positiv rüberkommt, sagt Karen Kaul, das „gepaart mit norddeutscher Gelassenheit“. Er habe einen Blick für Details, hebt die Galeristin hervor und nimmt die Austernfischer als Beispiel. Seine Vergangenheit als Zeichner spiegele sich auch in der Feinsinnigkeit seiner Werke, findet Kaul. Tiefgründigkeit und Witz entdeckt sie in Karschewskis Kunst. So wird eine Quietscheente umspült vom schaumigen Meer im Bild „Ich bin überall“ oder kämpft Don Quixote gegen Windmühlen, beschreibt Karen Kaul. Das Hauptmotiv zeigt Windkraftanlagen im Meer; daneben auf einem Drittelstreifen des Bildes und so blass wie ein Wasserzeichen ist die spanische Figur zu erkennen. „Abstraktion zum Bild“ nennt der Künstler diese zweite Geschichte, die nicht jedes seiner Bilder ergänzt, aber als Augenöffner dient. Einerseits sei es schön, Windenergie zu gewinnen, aber andererseits verunstalte man mit Offshore-Anlagen die Meere. Heino Karschewski ist Jahrgang 1956 und lebt in Gettorf. Er liebt den Norden und die Natur, unterstützt Greenpeace. Wellen und Wind, aber auch Möwen und Fische, Pferde und Schiffe, Menschen am Meer, manchmal mystisch zart und mit Hund, und sogar Eisbären tauchen in seinen Bildern auf. Sie bilden eine harmonische zweite Hälfte der Doppelausstellung „Dem Meer verbunden“. Karen Kaul empfindet sie schmunzelnd als „Einladung zum Spaziergang an Nord- und Ostsee – garantiert ohne Sand in den Schuhen.“

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erstellt am 20.Mär.2017 | 07:01 Uhr

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