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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Flensburg : Wandel am Ostufer: Harniskaispitze bleibt erstmal ungenutzt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Wasservilla an der Sonwik-Mole ist fast fertig - und es gibt Diskussion um eine Kletterlandschaft im leerstehenden Hafenspeicher.

Flensburg | In zehn Jahren wird das Ostufer des Flensburger Hafens nicht mehr so aussehen wie heute – so viel ist sicher. Harniskaispitze, Hübsch-Speicher, Ballastkai-Planung: Der gesamte Bereich ab Werftkontor bis zum Industriehafen ist Gegenstand groß angelegter Überlegungen, wie die Kaikante zukünftig genutzt werden soll. Der Umwelt- und Planungsausschuss wird sich noch in etlichen Sitzungen damit befassen. Jetzt machte er sich an Bord des Schleppers „Flensburg“ ein Bild des Ostufers von der Wasserseite aus und brachte sich auf den neuesten Planungsstand.

Ein Abstecher nach Sonwik führte die Planungspolitiker ganz in die Nähe eines der spektakulärsten Bauvorhaben der Flensburger Gegenwart: Auf der Nordmole in Sonwik baut ein Flensburger Unternehmer ein lang gestrecktes, sehr flaches Einfamilienhaus, das den Ausschuss in der Vergangenheit lange beschäftigt hatte. Im Rohbau ist es weit gediehen und zeigt die Dimensionen der maritimen Villa. Die Gründungsarbeiten haben offenbar länger gedauert als erwartet, denn die Plattform der Spezialfirma ist nach wie vor Ort.

Der Bauherr hatte die Nordmole vom Sonwik-Konsortium erworben; durch den Besitzerwechsel galt jedoch die verbindliche Bebauung mit fünf weiteren Wasserhäusern nicht mehr. Der Ausschuss hätte, so der Vorsitzende Axel Kohrt, das Bauvorhaben nicht verhindern können; immerhin habe man erreicht, dass der Bauherr einen Architektenwettbewerb veranstaltete und man auf diese Weise den ersten, aus Sicht der Politik deutlich überdimensionierten Entwurf verhindern konnte. Jetzt wird der Entwurf eines Berliner Architekten realisiert.

Was auf der frei geräumten Harniskaispitze passiert, ist völlig offen. Die für den Spätsommer geplante Zwischennutzung ist – wie berichtet – auf das kommende Jahr verschoben worden. Sämtliche ins Spiel gebrachte Freizeitnutzungen – Kulturflächen, Himmelsschaukel, Grünanlage – seien mit erheblichen Kosten verbunden, erläuterte Helmut Pagel, Geschäftsführer der Gesellschaft für Stadterneuerung, bei einem „Landgang“, nachdem der Schlepper „Flensburg“ in der Nähe des alten Zollhauses festgemacht hatte. Auch dessen Tage sind vermutlich gezählt, nachdem der Zoll hier Anfang des Jahres ausgezogen ist.

Mit Blick auf eine langfristige Nutzung der Halbinsel wird zumindest bei einigen Politikern auch über eine Wohnnutzung nachgedacht. Als Paul Hemkentokrax, Chef der Hafen-GmbH, beim Landgang an der Harniskaispitze auf die deutlich vernehmbaren Geräusche von der Stadtwerke-Seite hinwies, kamen von Ausschussmitgliedern vorsichtige Konter in Richtung moderne Bauweise, mit der Lärm gut abgeschirmt werden könne. Bisher gibt es jedoch keinerlei konkrete Ideen für eine langfristige Nutzung dieses Filetstücks mit Wasserblick.

Ungeklärt ist bislang die Frage, ob der TSB Flensburg im oder am Hübsch-Speicher eine Kletterlandschaft errichten darf. Die Stadtwerke Flensburg sind dagegen, weil selbst eine Zwischennutzung erhebliche Investitionen in das Gebäude erforderlich machen würde, zum Beispiel für eine Dachsanierung. Zudem wird offenbar befürchtet, dass die TSB-Kletterer, wenn sie erst einmal da sind und das Angebot gut angenommen wird, am Ende einen Abriss des Speichers oder eine anderweitige Dauernutzung nicht gerade begrüßen würden.

Doch eine Dauernutzung des Speichers scheint schwierig zu sein, weil das Innere des Backstein-Gebäudes aus riesigen Betonzylindern besteht. Nehme man die heraus, würden die Fassaden in sich zusammen stürzen, heißt es.

Die vorbereitenden Untersuchungen zum Hafen-Ostufer sind nicht zuletzt deshalb ins Stocken geraten, weil sich die Gesellschaft für Stadtsanierung lange um die am Ende gescheiterte Zwischennutzung der Harniskaispitze kümmern musste – auf Wunsch der Planungspolitiker. Jetzt können sich die Stadterneuerer wieder ihren eigentlichen Aufgaben widmen.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 08:00 Uhr

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