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Flensburger Tageblatt

23. März 2017 | 23:10 Uhr

Carebyphone : Vorbild für Inklusion in der Wirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sozialministerin Alheit lobt die Integrationsbemühungen der Firmengruppe von Martin Aye

Immer dann, wenn Ministerbesuch bei der Firma Carebyphone ansteht, ist deren Chef Martin Aye auf der Suche nach 100 neuen Mitarbeitern. Von 1200 sollen die Unternehmen der Aye-Gruppe möglichst bald auf 1300 wachsen. Acht Prozent davon sind Menschen mit Behinderung. Damit ist bei Carebyphone die Quote fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der schleswig-holsteinischen Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten.

Dafür gab es gestern ein dickes Lob von Sozialministerin Kristin Alheit, die ans Pferdewasser gekommen war, um sich am – zusammen mit Lübeck – größten von fünf schleswig-holsteinischen Carebyphone-Standorten umzuschauen. Von Phil Voss, 26, ließ sie sich genau dessen Arbeit erklären. Da er im Rollstuhl sitzt, hat er einen etwas höheren Schreibtisch, zudem arbeitet er mit einer Spezialtastatur mit separatem Nummernblock, da er den PC nur mit links bedient. Die Ministerin ließ es sich nicht nehmen, bei einem Beratungsgespräch, das Voss für den Großkunden Telekom führte, komplett zuzuhören.

Voss ist ein Beispiel für geglückte Integration. Nach seiner Ausbildung beim Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW) in Husum kam er 2012 zu Carebyphone und fühlt sich sichtbar wohl in dem Unternehmen. Der Einbau elektrischer Türen, Rampen und Fahrstühle habe große Erleichterungen für ihn erbracht. „Und das Betriebsklima hier ist einmalig“, sagt der 26-Jährige.

Firmengründer Martin Aye war nicht immer Fan der Integrationsfirma, die er vor drei Jahren gegründet hat. „2012 oder 2013 war das Thema so gut wie tot“, sagte er recht unverblümt zu der Ministerin.

Vor allem die sehr aufwendigen Formalitäten hätten die Inklusionsbemühungen stark erschwert. „Das war ein Bürokratiemonster!“, sagte er. Wenn man einen Menschen mit Behinderung einstellen und dafür die gesetzlich festgeschriebene Förderung erhalten wollte, habe das seinerzeit sechs Monate gedauert. Heute sei man bei einem Monat, lobte er, das Ziel sei zwei Wochen.

Aye betonte, dass es in seiner Branche – das Wort Callcenter wird vermieden, weil auch Mail-Verkehr und andere Aufgaben erledigt werden – auf sehr schnelle Reaktion ankomme. „Sonst hat die Konkurrenz den Auftrag.“

Aye hat mit Carebyphone Integration nicht nur ein eigenes Unternehmen für die Integration gegründet, sondern auch spezielles Personal dafür eingestellt.

Mit Matthias Gehm hat die Tochter einen eigenen Geschäftsführer, mit Annegret Petrack wurde ein Integrationscoach eingestellt. Die Firma hat ihren Sitz in Husum, dort arbeitet sie eng mit dem TSBW zusammen.

„Carebyphone Integration ist ein äußerst positives Beispiel dafür, wie Inklusion in einem Unternehmen umgesetzt und gelebt werden kann“, sagte Kristin Alheit. Für diese Art der Unternehmenskultur wünsche sie sich viel mehr Verbreitung in Schleswig-Holstein.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 07:40 Uhr

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