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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:57 Uhr

FSG-Neubau: : Von Flensburg um die halbe Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flüssiggas-RoRo jetzt auf Werft-Erprobung in der Ostsee / Im Oktober fünfwöchige Überführung nach Melbourne

Sie ist sein Baby. Und Wolfgang Schüler, Projektingenieur der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, verhehlt nicht, dass er ein stolzer Papi ist. Seit Mittwoch ist das neueste Roll-on-Roll-off-Schiff der FSG in seinem Element. Nach der Bau- und Ausrüstungsphase in der Werft folgt jetzt die Erprobung des weltweit ersten mit Flüssiggas betriebenen RoRo-Schiffes dieser Größe. Ende Oktober soll die 181 Meter lange „Searoad Mersey“ an die australische Searoad-Reederei übergeben werden. Was dann folgt, ist eine ziemlich lange Überführungsfahrt über mehr als 11  000 Seemeilen – umgerechnet gut 20  500 Kilometer.

Zunächst aber fährt die „Searoad Mersey“ nur kurze Wege. Die erste Tour führte sie am Mittwoch erstmals auf die Teststrecke im Großen Belt, gestern machte sie für einen Zwischenstopp in Odense in der Fayard-Werft fest, wo sie auf Kundenwunsch eine spezielle Silikon-Unterwasserbeschichtung bekommt, wie FSG-Sprecherin Frauken Maier sagt. Danach wird das Testprogramm auf der Ostsee fortgesetzt, etwa ab Mitte Oktober macht „Searoad Mersey“ für restliche Arbeiten in Flensburg fest, Ende Oktober wird sie an den neuen Besitzer übergeben. Fertig verproviantiert und aufgetankt mit 650 Kubikmetern Marinediesel.

Marinediesel? Tatsächlich, Marinediesel. Die neue Fähre wird zwar im täglichen Geschäft umweltfreundliches Flüssiggas als Treibstoff verbrennen – aber für die Überführungsfahrt um den halben Planeten herum reichen die knapp 130 Kubikmeter auf drei speziellen Wechseltrailern mitgeführten Vorräte nicht annähernd aus. „Das Flüssiggas an Bord reicht für einen Turnaround auf der festen Dienststrecke“, sagt Schüler. „Also einmal von Melbourne auf dem australischen Festland nach Devonport  /  Tasmanien und zurück. Rund 400 Seemeilen.“

Für die Überführungsfahrt rund um den halben Planeten profitiert die moderne Fähre von ihrem Antriebskonzept. Die zwei je 10  000 PS starken MaK-Hauptmaschinen arbeiten mit Marinediesel und Flüssiggas. Searoad Kapitän Lloyd Cahill, der das Schiff in Flensburg mit seiner internationalen Crew übernimmt, wird mit Dieselkraft im Moped-Tempo auf Reisen gehen: Das Marschtempo des 8000 Tonnen schweren FSG-Neubaus beträgt 20 Knoten – 37 Kilometer/Stunde. Wolfgang Schüler ist von dem Konzept seines Schiffes restlos überzeugt. Die Antriebslösung sei zwar teurer – schwefelfreien Brennstoffen gehöre im Schiffsbetrieb aber die Zukunft. Auch Reedereien entdecken den Umweltschutz als Imagewerbung. „Searoad war das green branding extrem wichtig“, so Schüler. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Flensburger Fähre aktuell die Speerspitze des Fortschritts. „Es sind zwar einige vergleichbare Schiffe im Bau, aber wir sind weltweit die ersten, die ein Schiff dieser Größe bereits in Betrieb genommen haben“, sagt der Ingenieur. „Und da sind wir auch ziemlich stolz drauf!“

Ab November gehört das High-Tech-Produkt dem australischen Kunden. Falls die „Searoad Mersey“ nicht noch in Hamburg oder Rotterdam Ladung für lange Fahrt aufnimmt, wird Captain Cahill nonstop via Nord-Ostseekanal entlang der afrikanischen Küste nach Kapstadt fahren, dort frischen Treibstoff bunkern und Teile der Crew tauschen. Die nächste zwölftägige Etappe führt ums Kap der Guten Hoffnung und dann quer über den südlichen Ozean nach Fremantle in West-Australien. Von dort geht es im letzten viertägigen Abschnitt der Reise in die raue Bass-Straße, die künftig Einsatzgebiet des Flensburger Schiffes sein wird. Dienstbeginn soll Anfang Dezember sein.

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erstellt am 17.Sep.2016 | 08:28 Uhr

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