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Flensburger Tageblatt

27. April 2017 | 18:58 Uhr

Eggebek : Von der Walz noch nicht genug

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Marcel Frahm kehrt nach mehr als drei Jahren Wanderschaft nach Eggebek zurück – und will gleich weiter nach Schweden.

Eggebek | Mehr als drei Jahre war Wandergeselle Marcel Frahm nicht zu Hause. Seit Sonnabend ist er zurück. Doch anstatt sich daheim in Norderfeld in Eggebek von Mutter und Freunden verwöhnen zu lassen, bleibt sein Bündel mit Schlafsack, Wäsche und einem zweiten Arbeitsanzug geschnürt. Denn schon heute will er wieder los – nach Schweden, seine Freundin besuchen. Aber auch das nur für eine Woche, dann geht es nach Norwegen, ein Feriendorf aus Holzhäusern bauen.

Der 23-jährige Marcel Frahm ist ein unruhiger Geist. Mehr als drei Jahre war er in Europa, Süd- und Nordamerika unterwegs. Bis vor fünf Jahren wohnte er in Sieverstedt, lernte bei Joh. Johannsen den Beruf des Zimmerers, spielte Handball im TSV und war auch Schiedsrichter. Dann zog die Familie nach Eggebek, damit die Pferde, Mutter Stephanies Leidenschaft, „nahe bei ihr sind“, wie Frahm erzählt. „Aber ich hatte immer ein Gespräch im Kopf, bei dem mir Altgesellen etwas über die Zeit als Wandergesellen erzählten“, erinnert er sich.

Im September 2013 ließ er sich eintragen in „Rechtschaffene Fremde“, eine Vereinigung für Gesellen auf der Walz. Am 3. November 2013, dieses Datum ist auch mit dem Handwerksemblem auf den rechten Unterarm tätowiert, ist er dann losgegangen. Die erste Station Lübeck erreichte er nach „fünf mal Daumen hoch“ zum Autostopp. Von dort ging es weiter über Frankfurt und dann für sechs Monate in den Schwarzwald nach Gengenbach, wo er mit anderen Gesellen ein Fachwerkhaus sanierte.

In Stuttgart kam dann die Arbeit, die sich ein Zimmerer wünscht, der Aufbau von Blockhäusern. „Danach wollte ich auch mal die Arbeit mit Rundhölzern kennen lernen“, so Marcel Frahm. Also flog er nach Kanada. Dort wurde er eingestellt, durfte aber nur die Rinde von den Bäumen schälen. „Das war nicht witzig“, so Frahm. Daraufhin ging es für drei Monate nach Brasilien, dann stand Florida auf der Wunschliste. Dort lernte er einen 88 Jahre alten Wandergesellen kennen, der ihm mit auf den Weg gab: „Wandergeselle bleibt man ein Leben lang“. Der alte Geselle hatte Häuser am Strand, die zu sanieren waren. Als besondere Erinnerung bleibt ihm, dass er dort immer 14 km mit dem Fahrrad zur Arbeitsstelle fahren musste. Als er eines Morgens eine Panne hatte, hielt ein freundliches Ehepaar, welches ihn mit ihrem Truck zur Baustelle brachte. Beim Gespräch ergab sich, dass diese für zwei Monate Arbeit für ihn hatten. „Nachdem ich in der Realschule im Englischunterricht immer dachte, wofür brauchst du das, lernte ich es hier wie von selbst.“

Vor einem Jahr folgte der Sprung zurück nach Europa, wo er zuerst in Wacken anheuerte. Dort lernte er seine schwedische Freundin kennen. Zu Silvester 2016 wollte er in Eggebek sein, „Rummelpott laufen“. Gleich zu Jahresbeginn dann ein Arbeitsvertrag für Norwegen bis Mai. Wie es dann weiter geht lässt er auf sich zukommen. „Schweden wäre was, mal schauen, wie es mit der Freundin wird“, sagt Frahm.

Wer Wandergeselle werden will, muss einige Bedingungen erfüllen: Er darf nicht verheiratet sein, keine Kinder und keine Schulden haben, unter 30 Jahre alt sein. Wer eingetragen ist als Wandergeselle, wird gerne auch Mal für kurze Zeit eingestellt. Früher häufig für Kost und Logis, heute wird nach Tarif bezahlt.

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